"Frauen kapieren Jazz nicht"

14. Dezember 2004, 10:52
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Für seine frauenfeindlichen Verbalauswürfe hat sich der Musiker Paolo Conte eine übersäuerte Zitrone verdient

Vielleicht sind ja die guten Zeiten seines Lebens vorbei. Vorüber. An ihm vorbei gezogen. Und nun vielleicht nur mehr Erinnerung. Vielleicht beunruhigt ihn das. Vielleicht ist der angebliche Frauenschwarm heute keiner mehr. Nur mehr ein Ehemaliger. Und das gefällt ihm nicht. Vielleicht ist er aber auch mit seiner Musik nicht mehr erfolgreich. Und das beunruhigt ihn. Und gefällt ihm gar nicht. Vielleicht trifft beides zu. Vielleicht ist er aber ganz einfach dumm. Oder ungeschickt. Oder beides.

Entgegen diesen Mutmaßungen der "Vielleichts" stehen ganz eindeutig und realistisch seine kürzlich getätigten Verbalauswürfe. In einem Interview der neuesten Ausgabe des "Spiegel" (Nr. 50/6.12.2004) ließ der italienische Schnulzensänger Paolo Conte seine misogyn verseuchten Gehirnzellen sprechen: Frauen würden Jazz nicht kapieren, "weil es sich um etwas sehr Kompliziertes und Komplexes handelt", wofür man sehr musikalisch sein müsse. Und Frauen könnten zwar auch musikalisch sein, "aber auf eine oberflächliche Art. Es ist wie beim Auto: Ein Mann will unter die Motorhaube gucken und alles wissen. Die Frau dagegen interessiert sich nur für die Karosserie, das Äußere. Also, ob das Auto gut aussieht und eine schöne Farbe hat". Frauen, ereifert sich der Musiker weiter, könnten den Mechanismus nicht verstehen und seien in der Küche besser aufgehoben. Dagegen seien Männer in der Küche "einfach lächerlich".

Dabei ist Paolo Conte gar nicht 160 Jahre alt. Alt ist er zwar schon - 67 - und da könnte eine gewisse Verbitterung in Anbetracht der Möglichkeit der vorüber gezogenen guten Zeiten, die jetzt so gut nicht mehr sind, zutreffen. Seine Aussagen ähneln jedoch frappant jenen von sogenannten Wissenschaftern des 19. Jahrhunderts, die mit ihren versuchten Beweisführungen - beispielsweise das geringere Volumen von Frauengehirnen belege die Unterlegenheit der Frau - ihre Frauenphobie verbergen und durch "wissenschaftliche Inferiorität" untermauern wollten. Versuche, die per se zum Scheitern verurteilt waren.

In diesem Sinne wird auch Conte scheitern. Sein Leben wird dadurch mit Sicherheit nicht besser, seine Musik nicht erfolgreicher. Und die negative Presse wird im besten Fall dazu führen, dass Frauen seine CD's und Platten nicht mehr kaufen. (dabu)

10.12.2004
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    Paolo Conte - oder die Verbitterung eines alten Mannes.
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