Asfinag-Aufsichtsrat: "Da ist der Herr Vizekanzler gefragt"

16. Dezember 2004, 13:46
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Nach Trennung von Autostrade ist Asfinag wieder auf Partnersuche

Wien - Das "Ciao", das die Asfinag ihrem Mautbetreiber Autostrade ein Jahr nach Einführung des Roadpricings in Österreich zuruft, ist zugleich der Startschuss für eine neue Partnersuche. In den Startlöchern stehen bereits einige Baufirmen, allen voran die Bauholding Strabag des Hans-Peter Haselsteiner.

Haselsteiner, dessen Konsortium A-Way 2002 gegen Autostrade und Kapsch ebenso unterlegen war wie Road Service Austria (Siemens, Mobilkom, OMV, Kronen Zeitung und Porr), versucht seit 2003 vergeblich, bei Europpass einzusteigen. Zunächst bei der Auslandsexpansion, wo lukrative Mautaufträge im Visier stehen, die in EU-Ländern wie Tschechien, Slowenien und der Slowakei ab 2005 ausgeschrieben werden.

Dort will die hochverschuldete Asfinag mitmischen, kann mangels Kapitals allerdings nur als Konzessionär des wie am Schnürchen laufenden österreichischen Mautsystems auftreten. Sie braucht daher finanzstarke Konsortialpartner, denn "wir machen mit den inländischen Mautgebühren sicher keine Risikogeschäfte", wie die Asfinag stets betont.

Dringender als für das Ausland ist freilich die Partnersuche in Österreich. Im Gegensatz zu Asfinag-Chef Walter Hecke, der die nun erworbene Europpass gern zu 100 Prozent behalten und im Ausland mit wechselnden Partnern anbieten würde, drängen Regierung und Infrastrukturministerium, einen Partner hereinnehmen. Anders sei der Kaufpreis - Errichtung, Finanzierung und Betrieb des Mautsystems kosten für zehn Jahre 747 Mio. Euro - nicht finanzierbar, heißt es in Asfinag-Kreisen. Man könne dafür nicht die Einnahmen aus der Lkw-Maut verwenden.

"Strategische Fragen klären"

"Jetzt müssen strategische Fragen geklärt werden. Es geht um die grundsätzliche Aufstellung der Asfinag im In- und Ausland", betonte denn auch Asfinag-Aufsichtsratspräsident Johann Quendler im STANDARD-Gespräch. "Da ist der Herr Vizekanzler gefragt."

Hubert Gorbach, der landauf, landab reist, um das heimische Mautsystem weltweit als "Erfolgsstory" zu preisen, ließ bisher keine Präferenz erkennen. In seinem Ministerium und in Asfinag-Kreisen will man freilich wissen, dass der Druck steige, der Strabag - und mit ihr im Schlepptau Raiffeisen und Siemens - die Mehrheit an Europpass zu verkaufen, wie ein Asfinag-Manager zum STANDARD sagte.

"Fest steht noch nichts", versichert Quendler, "es gibt viele Möglichkeiten". Aber: "Keine gute Idee wäre, dass ein Technologieanbieter die Europpass und damit technologische Entscheidungen dominiert. Denn es sei offen, wie die Ausschreibungen in den Nachbarländern aussehen würden. Fix ist jedoch, dass ein (Teil-)Verkauf nicht freihändig erfolgen darf, sondern ausgeschrieben werden muss. (Luise Ungerboeck, Der Standard, 10.12.2004)

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