Münchner Neonazi-Prozess: Zeuge belastet Anführer Wiese

11. Dezember 2004, 17:04
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Forstwirt spricht von "konkretem" Vorhaben

München - Im Prozess um einen geplanten Anschlag bei der Grundsteinlegung für das jüdische Kulturzentrum in München ist der Neonazi Martin Wiese (28) am Donnerstag belastet worden. Ein Zeuge sagte, das Vorhaben sei sehr konkret gewesen. Der Zeuge, ein 38 Jahre alter Forstwirt, ist gemeinsam mit vier anderen in einem parallelen Verfahren vor demselben Gericht angeklagt. Er hatte sich unmittelbar nach seiner Festnahme der Bundesanwaltschaft zur Verfügung gestellt und Haftverschonung erwirkt. Er steht seither unter Personenschutz.

Nach seinen Angaben hat ihn Wiese im Frühjahr 2003 in wechselnder Begleitung zwei Mal in Brandenburg besucht. Er habe dem Neonazi-Führer Waffen und Sprengstoff vermittelt. Wiese habe davon gesprochen, er wisse "den 9. November zu verhindern". Am 9. November 2003 erfolgte unter schärfsten Sicherheitsmaßnahmen die Grundsteinlegung.

"Wieses zweites Gehirn"

Wiese habe gesagt, notfalls werde er über die Kanalisation auf das Gelände gelangen. Er habe den Anschlag eigentlich allein verüben wollen, um im Falle einer Verhaftung die "Kameradschaft Süd" funktionsfähig zu halten. Ein V-Mann des bayerischen Verfassungsschutzes hatte den Anschlag auffliegen lassen. Gegen ihn ist ein Ermittlungsverfahren wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung und Beihilfe zum Waffenerwerb anhängig. Er hatte an einer der Beschaffungsfahrten nach Brandenburg teilgenommen.

Der Zeuge bezeichnete den V-Mann als "Wieses zweites Gehirn". Er habe diesen "inspiriert". Der Spitzel soll Wiese sogar angeregt haben, sich ein Scharfschützengewehr zu beschaffen. "Wiese wollte das Gewehr, um Killer zu werden", sagte der Zeuge. Der Prozess wird am 20. Dezember fortgesetzt. (APA/dpa)

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