Zwischen "Tanzbären" und "Proleten": Klagenfurter Stadttheater-Intendant Dietmar Pflegerl schreit auf

12. Dezember 2004, 17:13
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Nach den empfindlichen Kürzungen wird er seinen Kontrakt definitiv nicht über 2007 hinaus verlängern

Klagenfurt – Die Ankündigung des Klagenfurter Stadtsenats, dem Stadttheater den Etat empfindlich um bis zu eine Million Euro herunterzukürzen und es obendrein zur Auflösung seiner Rücklagen von 1,2 Millionen Euro zu zwingen, waren kaum verhallt – da kehrte Intendant Dietmar Pflegerl im Gespräch mit dem STANDARD bereits mit verkniffenem Mund die Scherben zusammen.

Pflegerl wird seinen Kontrakt definitiv nicht, wie ursprünglich geplant, über 2007 hinaus verlängern: "Ich werde mein diesbezügliches Angebot, wenigstens drei Jahre lang meinen Job fortzusetzen, bei der nächsten Theaterausschusssitzung am 21. Dezember zurückziehen." Er sei dabei, eine Oper aus dem laufenden Programm zu streichen: Hans Werner Henzes Der junge Lord nach einem Lib^retto der gebürtigen Klagenfurterin Ingeborg Bachmann.

Pflegerl erlebe die "umfassende Proletarisierung" Kärntens: Die FPÖ plane die Errichtung einer Landesholding, um sämtliche Kulturinstitutionen, die unter dem Holding- Dach hinfort ein gegängeltes Dasein führen müssten, in ihre Einflusssphäre hinüberzuziehen: "Proletarisierer wie Herr Canori, der FP-Kulturreferent der Stadt Klagenfurt, zerschlagen vorsätzlich die Hochkultur. Ich habe regelrecht Angst vor der Entwick 2. Spalte lung in diesem Land." Wie verhält sich aber nun der Koalitionspartner SPÖ?

Pflegerl: "Die SP lässt doch nur mehr noch Worthülsen ab, die ihr Image aufpolieren helfen sollen. Die Kärntner SPÖ ist als Hoffnungsträger für dieses Land auf Generationen hin erledigt!" Und deren Landesparteichef? Pflegerl: "Peter Ambrozy lässt sich von den Freiheitlichen wie ein Tanzbär am Nasenring landauf, landab ziehen. Er hat rein gar nicht zu sagen. Die Idee, Haider durch die Regierungsbeteiligung der Sozialdemokraten ,einzubinden‘ und zu ,bändigen‘, hat sich als reines Seifenblasengewäsch entpuppt."

Stadtkulturleiter Canori hingegen rühme sich, so Pflegerl, vollmundig, dass er das Stadttheater "während seiner Amtszeit noch nie betreten habe". Und VP-Bürgermeister Scheucher? Von dem sei keinerlei Schützenhilfe zu erwarten: "Ich weiß gar nicht", so Pflegerl, "welchen Deal der mit Haider geschlossen hat. Vielleicht hat ihm der Landeshauptmann ein neues Kongresszentrum versprochen."

Aber es komme noch schlimmer: "Die SP-Abgeordneten im paritätischen Theaterausschuss sind bereits dazu verhalten worden, mit den beiden anderen Parteien den Kürzungsplan abzusegnen!" Der Klagenfurter Winter bleibt eisig. Pflegerl: "In diesem Land gibt es keine demokratische Opposition mehr." (DER STANDARD, Printausgabe, 10.12.2004)

Von
Ronald Pohl

Nachlese

Massive Kürzungen für das Stadttheater in Klagenfurt
Für Intendant Dietmar Pflegerl ein "Anschlag auf die künstlerische Qualität"
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