Durcheinander nach Crash

16. Dezember 2004, 15:01
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Nach dem negativen Bescheid des Umweltsenates herrscht nun der Katzenjammer vor - Die Suche nach dem „Schuldigen“ ist seitens der Politik bereits losgegangen

Graz/ Wien – Bei Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz haben sich in den vergangenen Tagen einige Regierungsmitglieder persönlich telefonisch gemeldet. Man versuchte ihn noch einmal zu überzeugen, das Projekt Motorsportzentrum in Spielberg in einer neuen Form anzugehen. Der Umweltsenat hatte ja wie berichtet das ursprüngliche Projekt zu Fall gebracht. Mit der Begründung, der Antrag berge schwere Mängel und verstoße gegen mehrere Gesetze.

Doch vorerst fruchteten die Interventionen der Spitzenpolitik nichts. Mateschitz habe die Lust daran verloren, heißt es. Rein kommerziell bringe ihm das Projekt bei seinem Hauptgeschäft, dem Verkauf von Energydrinks, nicht unmittelbar einen Nutzen. Und er habe der Region Gutes tun wollen. Wenn man ihn nicht lasse, dann eben nicht, sagen mit der Materie und dem Menschen vertraute Personen.

Androsch: Verhinderungs- und Blockadepolitik

Der Industrielle Hannes Androsch will sich nicht einmal mehr wundern: "Wir haben doch insgesamt hier im Land eine Verhinderungs- und Blockadepolitik, die uns verrückt macht. Das hat bei Hainburg begonnen, geht über den Semmeringtunnel und endet jetzt in Spielberg beim Red-Bull- Projekt". Für Androsch stets außer Zweifel, dass "behördlich nicht alles sauber abgehandelt worden ist" und die Schuld am Scheitern des 700- Millionen-Projektes, für das 90 Millionen Euro Bundes- und Landesförderungen bereit stehen, eben nicht in Wien, beim Umweltsenat, zu suchen sei, sondern in der Steiermark selbst.

Auch der steirische Umweltanwalt, Alois Oswald, geht mit seinem eigenen Bundesland hart ins Gericht. Oswald zum Standard: "Diese Entscheidung des Senates war vorhersehbar und kam für mich nicht überraschend. Die Vorarbeiten, wie etwa die Gutachten, waren zu mangelhaft."

Großkundgebung

Unterdessen formieren sich in der Region Aichfeld die Befürworter des Red-Bull-Projektes. Sie rufen für Sonntag zu einer Großkundgebung auf, in der sie ihre Unterstützung für Projektbetreiber Mateschitz bekunden wollen. Für die Region bedeutet das Aus des Rennsportzentrums einen schweren Rückschlag. 500 Arbeitsplätze hätten entstehen sollen.

Das Aichfeld zählt zu den besonders von Abwanderungstendenzen betroffenen Gebieten Österreichs. Bei Red Bull langten fast 1000 Job-‑ ansuchen ein. Hannes Androsch: "Ich höre, dass da aber auch etliche Leute der Bürgerinitiative dabei sind. Es sind ja nicht nur die Politiker, sondern auch die Leute hier vor Ort gespalten."

Wien ist schuld

Hundert Kilometer weiter südlich, in Graz, wollten die Landespolitiker den wahren Schuldigen gefunden habe: Wien. Wieder einmal fühlt man sich hier von der Bundesregierung im Stich gelassen. VP-Landesrat Hermann Schützenhöfer sagt, ungeachtet es Bescheides des Umweltsenates: "Ich erwarte mir eine Unterstützung der Bundesregierung und appelliere an Bundeskanzler Schüssel, der Region nicht nur Draken und Euro-Fighter zu überlassen."

In Wien ist man hingegen – freilich ohne dies öffentlich kundzutun – nicht ganz überzeugt, dass Mateschitz wirklich noch voll hinter dem Projekt gestanden ist. Möglicherweise habe er mit dem Bescheid des Senats die Chance genützt, um gesichtswahrend auszusteigen. Geldprobleme hat Red Bull wahrlich keine, jedoch könnte das neue Abenteuer mit der Jaguar-Formel-1- Übernahme möglicherweise doch mehr Mittel verschlingen als vorerst budgetiert.

Landeshauptfrau Waltraud Klasnic will sich erst am Montag zur Causa äußern.(Walter Müller, Leo Szemeliker, Der Standard, Printausgabe, 10.12.2004)

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