Innovationsleistung: Österreich weiter an 10. EU-Stelle

22. Dezember 2004, 11:35
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Finnland an der Spitze - Beitrittsländer nur knapp hinter Österreich - IV-Kritik an alten Zahlen

Wien - Österreich dümpelt mit seinen Innovationsleistungen weiter an 10. Stelle der EU-Staaten (EU-15). Das geht aus dem aktuellen Innovationsanzeiger ("European Innovation Scoreboard 2003") hervor, das nun von der Europäischen Kommission veröffentlicht wurde. Damit hat sich das Land in den vergangenen beiden Jahren nicht verbessern können, obwohl bereits im Vorjahresbericht Österreich zu den fünf sich am schnellsten verbessernden Staaten gezählt wurde. In der Industriellenvereinigung, welche das Scoreboard immer genau unter die Lupe nimmt, führt man das trotz Forschungsoffensive gleich bleibende Ergebnis auf die Lieferung veralteter Daten zurück.

20 verschiedene Indikatoren

Für das Scoreboard 2003 wurde die Innovationsleistung der EU-Staaten, der damaligen Kandidaten-Länder und anderer europäischer Staaten sowie der USA und Japans anhand von mehr als 20 verschiedenen Indikatoren verglichen. Dazu zählen beispielsweise die Forschungsaufwendungen gemessen am Bruttoinlandsprodukt, die Zahl der Patente pro Einwohner, der Bevölkerungsanteil mit tertiärem Bildungsabschluss, vorhandenes Risikokapital, etc. Vergleicht man dabei die EU-15-Staaten, liegt Finnland mit einem aus diesen Indikatoren errechneten Innovations-Index von 0,72 an erster Stelle, gefolgt von Schweden (0,70) und Großbritannien (0,52). Österreich liegt mit einem Wert von 0,36 unter dem EU-Schnitt von 0,42. Als Nicht-EU-Länder schieben sich die Schweiz (0,61) und Island (0,52) in die Top-Plätze, auch Norwegen (0,42) liegt vor Österreich.

Schweden schlägt USA

Beim Ranking aller Länder (weil unterschiedliche Indikatoren verglichen wurden, unterscheiden sich die Werte gegenüber dem EU-Ranking, Anm.) überrascht das gute Abschneiden Schwedens, das mit 0,79 eine bessere Innovationsleistung als Japan (0,77) und die USA (0,75) aufweist. Bei diesen Innovationsführern mithalten kann noch Finnland mit 0,75, die Schweiz folgt dann schon mit deutlichem Abstand mit einem Index von 0,64. Österreich kann bei dieser Wertung noch im Mittelfeld mithalten (0,37), dicht aufgeschlossen haben aber bereits Länder wie Tschechien (0,33) oder Estland (0,32). Diese mittlerweile neuen EU-Mitglieder liegen gemeinsam mit Slowenien, Ungarn, Lettland, Litauen und der Slowakei noch vor Ländern wie Spanien, Italien oder Portugal.

Österreich holt auf

Gemeinsam mit Norwegen, Luxemburg, Spanien, Portugal und Griechenland zählt die EU Österreich zu den Ländern, die derzeit aufholen. "Trend-Führer" ist Österreich beim Anteil der Bevölkerung mit tertiärer Bildung sowie bei der Beschäftigung im High-Tech-Bereich. Diese positive Entwicklung hat aber noch nicht für die Spitzengruppe der drei besten EU-Länder in einem der untersuchten Indikatoren gereicht. Der Innovationsanzeiger weist für jedes Land auch die drei besten und die drei schlechtesten Ergebnisse bzw. Trends aus: Positiv wird für Österreich der Trend zu mehr tertiärer Bildung, zu mehr High-Tech-Patenten sowie mehr frühem Risiko-Kapital angerechnet, negativ der mangelnde Trend zum Lebenslangen Lernen sowie das zur Verfügung stehende Risiko-Kapital.

Führende Innovationsrolle der USA

Der Innovationsanzeiger macht einmal mehr die führende Innovationsrolle der USA deutlich, die in zehn von elf vergleichbaren Indikatoren vor der EU liegt. Besonders negativ fällt die Bilanz bei den Patenten im Vergleich mit den USA aus. - nur bei der Zahl der Absolventen von naturwissenschaftlichen und technischen Studien liegt Europa voran. Bei den derzeitigen Wachstumsraten in diesem Bereich würde die EU in keinem dieser Indikatoren bis 2010 zur USA aufschließen, heißt es in dem Scoreboard.

Seitens der Industriellenvereinigung kritisierte der Leiter des Bereichs Innovation, Gerhard Riemer dass für den aktuellen Innovationsanzeiger zum Teil Zahlen aus den Jahren 1998 und 1999 von Österreich nach Brüssel gemeldet wurden. "Es ist sehr eigenartig, wie wir mit europäischen Anfragen für solche Benchmarks umgehen, die damit an Gewicht und Bedeutung verlieren". IV-Generalsekretär Markus Beyrer betonte, dass zahlreiche Maßnahmen wie die beiden Forschungs-Offensiv-Programme oder das Konjunkturpaket noch nicht in den Zahlen erfasst worden seien, weshalb "der Ist-Stand nicht so schlimm ist, wie der Trend es auszudrücken scheint". Beyrer macht aber darauf aufmerksam, dass 2005 rund zwei Drittel der insgesamt 100 Mio. Euro fehlen würden, die notwendig wären, um das von Regierung gesetzte Ziel einer Forschungsquote von 2,5 Prozent im Jahr 2006 zu erreichen.(APA)

  • "Trend-Führer" ist Österreich beim Anteil der Bevölkerung
mit tertiärer Bildung sowie bei der Beschäftigung im
High-Tech-Bereich
    foto: photodisc

    "Trend-Führer" ist Österreich beim Anteil der Bevölkerung mit tertiärer Bildung sowie bei der Beschäftigung im High-Tech-Bereich

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