Größere Unterschiede zwischen AHS als zu Finnland

2. Dezember 2005, 11:54
1 Posting

Abstand zu Finnland in Mathematik 38 Punkte, zwischen bester und schlechtester AHS in Österreich mehr als 200 Punkte

Bei der internationalen OECD-Bildungsvergleichsstudie PISA sind zumindest im Bereich Mathematik die Länder im Mittelfeld zu knapp beisammen und die statistischen Unschärfen zu groß, um daraus eine Verschlechterung abzuleiten - "es ist statistisch nicht haltbar zu sagen, dass sich Österreich verschlechtert hat", erklärte Werner Peschek, Mathematik-Didaktiker an der Uni Klagenfurt, am Donnerstag bei einem Expertengespräch des Klubs der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten in Wien.

Oberflächliche Betrachtung

Wie sehr der oberflächliche Blick auf das Ranking die wahren Verhältnisse verzerrt, zeigt folgender Vergleich: Der Punkte-Unterschied zwischen Österreich und dem Test-Sieger in Mathematik Finnland beträgt 38 Punkte - der Unterschied zwischen bester und schlechtester österreichischer AHS zwischen 200 und 250 Punkte, so der Experte.

Nicht schönreden

Peschek, der auch Mitglied der Experten-Gruppe für Mathematik-Fachdidaktik bei PISA ist, will damit nicht das Ergebnis schönreden: "Die PISA-Ergebnisse sind sehr unbefriedigend, gemessen an den Erwartungen, die wir in den Lehrplänen setzen, und sie sind aber auch OECD-weit schlecht, und es würde mich auch nicht trösten, wäre ich Finne." Der Test sei nach den neuesten fachdidaktischen Erkenntnissen zusammengestellt worden, das sei aber nicht unbedingt das, was üblicherweise im Unterricht, sei es in Österreich oder in den anderen Ländern, gelehrt werde. "Wir sind in den Schulen nicht dort, wo wir mit der Forschung sind", so Peschek.

"Eigenwillige" Prüfungskultur

Christa Koenne, AHS-Direktorin in Wien und Leiterin der Naturwissenschafts-Kommission im österreichischen PISA-Zentrum, verwies auf die "eigenwillige Prüfungskultur" in Österreich, die nicht mit jener der PISA-Studie kompatibel sei. Während bei der Studie nach Interpretationen und Zusammenhängen gefragt werde, setze man an den Schulen üblicherweise auf punktuelle Fragen. Für Koenne war man nach PISA 2000 "zu zufrieden, das macht handlungsunfähig". Sie verwies aber auch darauf, dass genau zwischen PISA 2000 und 2003 die Stundenkürzung gefallen sei. Dadurch und durch die damit verbundenen Streiks wäre die Stimmung zum Testzeitpunkt 2003 an den Schulen sehr schlecht gewesen, was zu einem "gewissen Laissez-faire-Umgang mit dem Test" geführt haben könnte.

Training würde helfen

Deswegen wäre es relativ leicht, meinte Günter Hanisch, Mathe-Didaktiker an der Uni Wien, die österreichischen Kinder durch Training an den PISA-Aufgaben PISA-tauglich zu machen und damit ein besseres Abschneiden im internationalen Vergleich zu erzielen. Schwieriger sei es aber, sie tatsächlich zu besseren Lesern und Mathematikern zu machen.

Mathe kein "Horrorfach"

Die Befragung der Schüler im Rahmen der PISA-Studie habe deutlich gezeigt, dass Mathematik "kein Horrorfach" sei, der Gegenstand sei für die Jugendlichen aber völlig uninteressant und habe keine Relevanz, meinte Rudolf Taschner, selbst AHS-Mathematik-Lehrer und Gründer des "math-space", einer Einrichtung im Wiener Museumsquartier, welche die Faszination des Fachs einer breiten Öffentlichkeit vermitteln will.

Insofern brauche man gar nicht hoffen, "dass wir fantastische PISA-Ergebnisse haben". Mathematik sei ein reizvoller Gegenstand, und es gebe eine "Magie der Zahlen", doch die Kinder würden sehr schnell "mit abstrakten Begriffen belästigt", und Mathe entwickle sich zur "Tretmühle". Taschner legt aber auch Wert darauf, dass "PISA nicht Bildung prüft, sondern nur PISA, so wie ein Intelligenztest nicht Intelligenz misst." (apa)

Share if you care.