Telefonieren am Steuer: Jeder dritte Lenker hat das Handy am Ohr

16. Dezember 2004, 22:22
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Zwei Drittel telefonieren während der Fahrt, jeder Dritte verzichtet auf die Freisprecheinrichtung

Zwei Drittel telefonieren während der Fahrt, jeder Dritte verzichtet sogar auf die vorgeschriebene Freisprecheinrichtung. Das ergab eine aktuelle Studie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV). Das Unfallsrisiko steige dabei um das fünffache.

Nur 27 Prozent telefonieren nicht am Steuer

Trotz Verbot des Telefonierens ohne Freisprechanlage sind die Österreicher am Steuer weiterhin hartnäckige "Handyuser". 20 Prozent der Befragte telefonieren nach eigenen Angaben während der Fahrt viel, 47 Prozent benutzen ihr Mobiltelefon im Auto fallweise. Nur 27 Prozent gaben an, nie am Steuer zu telefonieren.

Freisprecheinrichtung

Häufig bleibt das Handy gesetzwidrig am Ohr kleben: Nur jeder Dritte benützt nach eigenen Angaben immer eine Freisprecheinrichtung, 18 Prozent erklärten, diese zumindest fallweise zu benutzen. Zwölf Prozent gaben an, während der Fahrt auch SMS zu lesen. Fünf Prozent brauchen anscheinend noch einen zusätzlichen Nervenkitzel, wie die Befragung ergab: Sie schreiben und senden Kurznachrichten auch während der Fahrt.

Männer telefonieren häufiger am Steuer

Männer sind machen 53 Prozent der telefonierenden Lenker und 70 Prozent der Vieltelefonierer am Steuer aus. Offenbar ist die Handynutzung am Lenkrad auch eine Altersfrage: 84 Prozent sind der Altersgruppe der 25 bis 34-Jährigen zuzurechnen. Befragt wurden insgesamt 1.700 Autofahrer.

Telefonierer "erstarren"am Steuer

Unterschätzt werden sollte das Risiko des Telefonierens am Steuer nicht: Neben Verrenkungen hinter dem Volant sorgt der Handygebrauch auch für einen Konzentrationsmangel, warnte das Kuratorium. Emotional aufregende Gespräche würden die Konzentration des Lenkers zudem stark beeinträchtigen. Telefonierer "erstarren" förmlich am Steuer, kritisierten die Experten: Die Geschwindigkeit werde verringert und Lenkkorrekturen nur mehr in geringem Maße ausgeführt.

40 Verkehrstote mehr

Auch der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) warnte vor der Gefahr Handy am Steuer: Dies würde jährlich für rund 40 Verkehrstote sorgen. Studien in England hätten zudem gezeigt, dass Personen, die ohne Freisprechanlage telefonierten, eine längere Reaktionszeit haben als jene, die mit 0,8 Promille alkoholisiert waren, kritisierte der Club.

Starferhöhung

Am Freitag soll im Parlament die Erhöhung der Strafen für Handysünder von 21 auf 25 Euro beschlossen werden. Dies sei zwar begrüßenswert, die Sanktionierung müsse für die Exekutive aber auch erleichtert werden, forderte das Kuratorium.

Anhaltepflicht

Derzeit bestehe für den Exekutivbeamten die Anhaltepflicht, was bedeutet, dass Handy-Lenker während der Fahrt nicht angezeigt werden können.

Bestrafte Ablenkung

Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung am Steuer ist die einzige Ablenkung, für das ein Autofahrer in Österreich automatisch gestraft werden kann. Bei allen anderen konzentrationsraubenden Tätigkeiten wie Fernsehen oder Zeitung lesen müsse die Exekutive erst beweisen, dass tatsächlich eine Irritation des Lenkers gegeben sei, erklärte ÖAMTC-Jurist Martin Hoffer.

Radio am Ohr

Grundsätzlich sei es auch erlaubt, sich ein Radiogerät - in der Größe eines Handys - ans Ohr zu halten, solange eine Hand am Steuer bleiben kann, sagte Hoffer. Denn nur die Handyregelung bildet die Ausnahme im Kraftfahrgesetz (KFG): In der Definition einer Freisprecheinrichtung sei festgeschrieben, dass diese ermöglichen muss, beide Hände am Steuer zu behalten, sagte Hoffer. (APA)

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    Anteil der Personen mit Handy um Steuer und Telefonier-Gewohnheiten

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