Neues Tuberkulosemittel könnte Behandlungszeit halbieren

17. Dezember 2004, 21:14
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Testreihe jedoch noch nicht abgeschlossen

Washington - Ein neues Antibiotikum verspricht, die Behandlungszeit von Tuberkulose auf die Hälfte zu reduzieren. Im Versuch mit Mäusen bekam der Wirkstoff auch Tuberkulose-Bakterien unter Kontrolle, die gegen die herkömmlichen Medikamente resistent sind. Ein internationales Forscherteam stellt das bisher nur unter der Formel R207910 bekannte Antibiotikum in der Onlineausgabe des Fachjournals "Science" vor.

Das Antibiotikum wurde auch an gesunden Menschen getestet und stellte sich dabei als gut verträglich heraus. Erst die nächsten Testphasen werden jedoch Aufschluss über den Effekt von R207910 auf Tuberkulose-Patienten geben. Seit 40 Jahren ist kein neues Tuberkulose-Mittel entdeckt worden, und die Resistenz der Bakterien gegen Wirkstoffe ist ein zunehmendes Problem.

Die zweithäufigste Todesursache durch Infektionen

Tuberkulose ist nach Aids global gesehen die zweithäufigste Todesursache durch Infektionen. An ihr sterben jedes Jahr rund zwei Millionen Menschen. Wenigstens elf Millionen seien mit dem Aidserreger HIV und Tuberkulose gleichzeitig infiziert und dadurch noch stärker von einem frühzeitigen Tod bedroht, schreiben Koen Andries von der Forschungsabteilung des Pharmakonzerns Johnson & Johnson im belgischen Beers und Kollegen in Frankreich, Schweden und den USA.

Das viel versprechende Antibiotikum gehört zu einer Familie von Verbindungen, für die das Unternehmen kürzlich ein Patent erhalten hatte, den Diarylchinolinen oder "DARQ". Sie wirken anders als alle bisher entwickelten Antibiotika, heißt es in "Sciencexpress". "DARQ" verhindern nach bisheriger Erkenntnis einen Vorgang, mit dem sich die Zelle selbst mit Energie versorgt.

Im Tierversuch befreite das Mittel die Lungen von kleinen Nagern in nur einem Monat von Bakterien, während die herkömmlichen Antibiotika zwei und mehr Monate für diesen Erfolg brauchten. Für die Humanmedizin könnte das heißen, dass der neue Wirkstoff Patienten bereits nach drei bis vier Monaten kuriert statt in bisher sechs bis neun Monaten. (APA/dpa)

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