Wiener Forschungsinstitut von Schließung bedroht

15. Dezember 2004, 13:32
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Problem der Basisfinanzierung für TU-Anteil des "Center for Computational Materials Science"

Wien - Das von Technischer Universität (TU) und Universität Wien betriebene "Center for Computational Materials Science" (CMS) ist von der Schließung bedroht, jedenfalls was den TU-Anteil angeht. "Ohne Basisfinanzierung werden wir im kommenden Jahr einen finanziellen Fehlbetrag aufbauen, den ich nicht mehr verantworten kann und will", sagte dazu Peter Weinberger, TU-Professor und einer der Betreiber des Zentrums, am Donnerstag gegenüber der APA. Ein vom CMS geleitetes Projekt war beim diesjährigen Descartes-Preis, der auch als "europäischer Nobelpreis" bezeichnet wird, im Finale.

Das seit rund elf Jahren bestehende Zentrum beschäftigt sich unter anderem mit Computer-Speichermaterialien der Zukunft. Die fortschreitende Verkleinerung der Bauteile hat mittlerweile mit Nanometern und Femtosekunden Dimensionen erreicht, bei denen neue physikalische Eigenschaften zu Tage treten. Beispielsweise eine Leitung immer kleiner zu machen, reicht daher nicht, es müssen völlig neue Technologien ausgearbeitet werden. Das CMS finanziert sich zum Großteil über Forschungsprojekte.

Beginn

Die Misere für das CMS begann vor rund zwei Jahren, als das Bildungsministerium die Förderung der so genannten Auftragsforschung einstellte. "Nun kämpfen wir mit ständig nur vagen Zusagen für die Basisfinanzierung, wir wissen beispielsweise bis heute nicht definitiv, was wir für dieses Jahr bekommen", sagte Weinberger. Der Wissenschafter schätzt, dass es heuer 70.000 Euro für das ganze Zentrum geben wird, also 35.000 für den TU-Anteil. Ohne Basisfinanzierung ergibt sich für das kommende Jahr ein Fehlbetrag von knapp 154.000 Euro.

Persönlich hat sich Weinberger eine Deadline mit Anfang April gesetzt, sind die Aussichten dann immer noch ähnlich trist, wird er den TU-Anteil zusperren. "Die derzeit angestellten, ausgezeichneten Post-Docs werden damit sicher abwandern und auch ich werde wenigstens eine Zeit weggehen. In der Unterliga forschen macht für mich keinen Sinn", sagte der Wissenschafter.

Ein weiteres Problem sind die seit Jahren permanent sinkenden Bewilligungsquoten beim Fonds zur Förderung der wissenschaftliche Forschung (FWF). "Bei der letzten Sitzung lag die Quote bei 14 Prozent", berichtete Weinberger. Man könne es einem jungen Wissenschafter kaum mehr zumuten, ausschließlich von Projektgeldern zu leben. Zu groß sei die Unsicherheit, etwa im nächsten Monat vor dem Nichts zu stehen. (APA)

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