UNICEF: Kinder leiden an sieben "tödlichen Entbehrungen"

15. Dezember 2004, 13:32
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Bericht 2005: 640 Millionen ohne angemessene Unterkunft - Aids erreicht kriegsähnliche Bedrohung für Kinder

Wien/London - Sieben "tödliche Entbehrungen" tragen laut dem am Donnerstag veröffentlichten UNICEF-Bericht 2005 "Zur Lage der Kinder in der Welt" die Hauptschuld am Leid und Sterben von Milliarden von Kindern: 640 Millionen haben keine angemessene Unterkunft, 500 Millionen haben keinen Zugang zu sanitären Anlagen, 400 Millionen haben kein sauberes Trinkwasser, 300 Millionen haben keinen Zugang zu Informationen wie Radio oder TV, 270 Millionen haben keinen Zugang zu Gesundheitsdiensten, 140 Millionen sind nie in der Schule gewesen und 90 Millionen Kinder sind schwer mangelernährt.

Laut UNICEF leiden mindestens 700 Millionen Kinder an zwei oder mehr der genannten Entbehrungen. Der Report stellt aber auch klar, dass Armut nicht nur auf die Entwicklungsländer beschränkt ist. In elf von 15 Industriestaaten hat sich der Anteil jener Kinder, die in Haushalten mit niedrigem Einkommen leben, erhöht. Über einer Milliarde Kindern weltweit wird, so UNICEF-Direktorin Carol Bellamy, das Recht auf Gesundheit und Schutz verwehrt. Diese Rechte seien aber in der UN-Konvention über die Rechte des Kindes festgehalten, die von fast allen Staaten der Welt unterschrieben und ratifiziert worden sind. Das Versagen von Regierungen, den Standards der Konvention zu entsprechen, verursacht bleibende Schäden bei Kindern, betont der UNICEF-Report mit dem Untertitel "Bedrohte Kindheit".

Entscheidungen mit Auswirkungen ...

"Zu viele Regierungen treffen Entscheidungen, die sich negativ auf Kinder auswirken", sagte Bellamy. "Armut kommt nicht aus dem Nichts. Krieg entsteht nicht aus dem Nichts. Aids verbreitet sich nicht von allein. Das sind unsere Entscheidungen." Armut, Krieg und HIV/Aids - das sind auch die Hauptprobleme der Kinder dieser Welt.

Bellamy: "Wenn die Hälfte aller Kinder hungrig und krank aufwächst, wenn Schulen zu Zielen im Krieg werden und ganze Dörfer durch Aids ausgerottet werden, dann haben wir unsere Versprechen gegenüber den Kindern nicht eingehalten." Die Fakten sprechen laut UNICEF-Report für sich: Von den 3,6 Millionen Menschen, die seit 1990 in Kriegen gestorben sind, waren die Hälfte Kinder - und wie der Terrorangriff auf die Schule im russischen Beslan gezeigt hat, sind junge Menschen auch nicht mehr vor Terrorangriffen gefeit. Hunderttausende werden nach wie vor als Soldaten zwangsrekrutiert. In den neunziger Jahren wurden, so der Bericht, 20 Millionen Kinder durch bewaffnete Konflikte aus ihrem Zuhause vertrieben.

Aids

Die Immunschwächekrankheit Aids hat mittlerweile eine kriegsähnliche Bedrohung für Kinder erreicht: Laut UNICEF ist die Zahl der Aidswaisen weltweit auf 15 Millionen angestiegen. 2001 waren es noch 11,5 Millionen. "Doch schon vor dem Tode der Eltern leiden die Kinder", führt Sylvia Trsek von UNICEF-Österreich aus. "Wenn Eltern an Aids erkranken, können sie nicht mehr arbeiten. Kinder, vor allem Mädchen, können nicht mehr zur Schule gehen. Sie müssen die Kranken pflegen, die kleinen Geschwister betreuen und für Nahrungsmittel sorgen. Das Risiko von Ausbeutung und Missbrauch ist für diese Kinder extrem hoch."

UNICEF forderte die Regierungen dazu auf, ihren Verpflichtungen den Kindern gegenüber nachzukommen: "Die Qualität eines Kinderlebens hängt von Entscheidungen ab, die täglich in Familien, Gemeinden und Regierungen getroffen werden. Wir müssen weise Entscheidungen treffen, im besten Interesse der Kinder." (APA)

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    UNICEF: Unter sieben "tödlichen Entbehrungen" haben Kinder weltweit zu leiden.

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