Tirols Militärkommando wartet Untersuchungen ab

9. Dezember 2004, 22:05
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Für Militärkommandant unterscheide sich die Situation in Landeck deutlich von der in Freistadt: Auf Übung wurde vorbereitet

Innsbruck - Nach dem Auffliegen angeblicher Übergriffe auf Grundwehrdiener in der Landecker Pontlatz-Kaserne will das Militärkommando für Tirol vorerst die Ermittlungen abwarten. Erst dann soll über disziplinar- oder strafrechtliche Schritte entschieden werden, hieß es am Donnerstag.

Derzeit warte man auf die Ergebnisse der Untersuchungskommission des Verteidigungsministeriums, erklärte Militärkommandant Karl Berktold gegenüber der APA. Er ging davon aus, im Laufe der nächsten Woche sämtliche Fakten auf dem Tisch zu haben.

Die beiden Kompanie-Kommandanten, die die Übung vor einem Jahr geleitet hatten, hielten sich bei Bekanntwerden der Vorfälle im Ausland auf: Die Oberleutnante absolvierten Einsätze in Bosnien und im Kosovo. Für das Bataillon damals zuständig war der Schwager von Verteidigungsminister Günther Platter (V), bestätigte Berktold entsprechende Medienberichte. Der Major hatte den Heeresverband zu diesem Zeitpunkt interimistisch geleitet.

Ein Großteil des Kaderpersonals befand sich nach wie vor im Burgenland im Grenzeinsatz. Die betroffenen ehemaligen Rekruten mussten erst ausgeforscht werden. Laut Berktold waren rund 25 Präsenzdiener als "Gefangenendarsteller" herangezogen worden. Beim überwiegenden Teil handelte es sich um Tiroler. Etwa ein Drittel stammte den Angaben zufolge aus Vorarlberg.

Unterschiede

Der Militärkommandant wies darauf hin, dass sich die Situation in Landeck deutlich von der in Freistadt unterscheide: Die Grundwehrdiener in Tirol seien auf die Übung vorbereitet worden, es habe ein Ausstiegsszenario bestanden und eine Nachbesprechung gegeben.

Die Übergriffe auf Rekruten sollen sich im Dezember des Vorjahres im Rahmen eines so genannten "Kampftages" ereignet haben. Bei dem Training für Auslandseinsätze war es zu Fesselungen mittels Kabelbindern und stundenlangem Schlafentzug sowie Scheinfolterungen gekommen. Beteiligt waren Grundwehrdiener der Nachschub- und Transportkompanie der Innsbrucker Standschützenkaserne und der Aufklärungskompanie der Pontlatz-Kaserne.

Bereits im vergangenen März war in der Innsbrucker Bundesheer-Zeitschrift "Der Adler" über die Geiselnahme-Übung berichtet worden. Unter dem Titel "Innsbrucker Soldaten in Gefangenschaft. 24-h-Kampftag der NTKp" hatten zwei betroffene Rekruten den Ablauf geschildert. Der Tiroler Militärkommandant hatte eingeräumt, dass es ein "Fehler" gewesen sei, Rekruten für die Übung einzusetzten. Grundsätzlich seien für Auslandseinsätze bzw. die dafür nötige Ausbildung keine Wehrpflichtigen heranzuziehen. Die Vorgänge werden zur Zeit von der Untersuchungskommission des Verteidigungsministeriums und der Beschwerdekommission des Parlaments geprüft. (APA)

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