Alles wird Hut

23. Februar 2005, 22:03
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Borsalino ist ein Synonym für luxuriöse Hüte. Nun gibt' s von den Italienern auch edle Bekleidung

Seit knapp 150 Jahren versorgt Borsalino die Herrenwelt mit luxuriösen Hutmodellen, seit diesem Herbst bietet das norditalienische Unternehmen mit Sitz in Alessandria (Piemont) auch Männermode wie Sakkos, Mäntel, Jacken und Accessoires an. Bis 2006 soll das Sortiment auf eine komplette Bekleidungslinie erweitert werden.

"Wir wollen nicht nur in der Hutmode, sondern auch in der Bekleidung an die Spitze kommen", sagt Vorstandsvorsitzende Roberto Gallo. Als Vorbild für die neue Modelinie wird Hugo Boss genannt, Akquisitionen qualitativ hochwertiger Bekleidungsfirmen werden in naher Zukunft nicht ausgeschlossen. Der Umsatz soll sich nach den ehrgeizigen Plänen des Borsalino-Chefs bis 2008 von derzeit 15 Millionen auf 30 Millionen Euro verdoppeln. Auch im sportlichen Modebereich will sich Großaktionär Gallo engagieren. Große Pläne hat Borsalino für die olympischen Winterspiele 2006 in der "Nachbarstadt" Turin.

Der Hutmacher Giuseppe Borsalino ist in die Modeannalen als Designer des "Huts der Hüte" eingegangen. Mit seinen Kreationen hatte er von der Unternehmensgründung an Erfolg. Das Besondere an der Hutproduktion ist, dass sie sich nicht automatisieren lässt, bis zu 60 Arbeitsgänge sind für ein einziges Modell nötig. Vor hundert Jahren stellten rund 1000 Arbeiter jährlich eine Million Hüte her, nun fertigen 90 Arbeitnehmer rund 90.000 Hüte pro Jahr. Der Klassiker besteht aus feinstem Hasenhaarfilz und hat eine Bandgarnitur aus Seidenrips.

Nachdem in den achtziger Jahren die letzte Borsalino-Erbin starb, geriet das Unternehmen vorübergehend unter Kontrolle "politisch engagierter" Unternehmen. Diese mussten aber im Rahmen der Anfang der neunziger Jahre aufgedeckten Korruptionsaffären, der Aktion "Mani Pulite" die Firma wieder abgeben. Die im Immobilien-und Baubereich tätige Unternehmerfamilie Gallo erwarb das Unternehmen, restrukturierte es (Borsalino schreibt heute schwarze Zahlen) und will es nun zum internationalen Modekonzern ausbauen.

Borsalino setzt schon seit einigen Jahrzehnten auf ein breites Produktspektrum und erzeugt etwa Hüte für Rabbi, Fes-Kopfbedeckungen für Araber, Siddara für Inder oder einfache Strohhüte im Kolonialstil. Herzstück sind aber noch immer die klassischen, breitkrempigen Filzhüte, mit denen das Unternehmen Weltruhm erreichte - und die Humphrey Bogart einige Zentimeter größer erscheinen ließen. Alain Delon hat als Borsalino-Träger im gleichnamigen Film natürlich auch das Seinige zum Ruhm beigetragen.

Feinster Cordsamt und Tweed wird verwendet

Auch für die neue Bekleidungs- und Accessoires-Linie verfolgt das Unternehmen dieselbe Philosophie wie im Hutbereich: großer handwerklicher Aufwand bei der Herstellung, edelste Stoffe bei den Materialien, Sorgfalt bei den Details. Sakkos, Hosen und Freizeitjacken, Mäntel und vor allem aber eine reiche Auswahl an Accessoires ergänzen die Hutkollektion. Die neue Borsalino-Bekleidungskollektion verwendet feinen Cordsamt und Tweed in warmen Farben wie Rost, Safran oder Schokobraun für die sportlicheren Teile. Wolle und Kaschmir werden für Alltagoutfits benutzt, Nadelstreifanzüge in Grau und dunklem Blau geben den Ton an, die Strickwaren sind in Pastelltönen gehalten. Mit dabei sind auch zweiseitig tragbare Halstücher.

Gefertigt wird ausschließlich in Italien, in China betreibt Borsalino auch ein eigenes Werk, wo jedoch nur für den chinesischen Markt produziert wird. Eine neue Marketing-Strategie hat das Unternehmen jetzt auch auf Lager: Die gesamte Mannschaft des Turiner Fußballclubs Juventus wurde in Borsalino eingekleidet - nicht zuletzt soll damit auch wieder eine jüngere Käuferschicht angesprochen werden.

Die Borsalino-Neuigkeiten wurden kürzlich im neuen Mailänder Flagshipstore auf dem Corso Venezia vorgestellt. 300 Quadratmeter Verkaufsfläche hat der Luxusladen, ähnliche Geschäfte sollen in New York und Tokio entstehen. Insgesamt vertreibt Borsalino seine Produkte derzeit in 16 eigenen Geschäften in Italien, außerdem in einem Pariser Store in St. Germain-des-Prés. Deutschland ist heute der wichtigste Exportmarkt, aber auch in Österreich laufen die Geschäfte gut. Vor allem die Filzhüte mit breitem, Band sind hier sehr erfolgreich. (DERSTANDARD/rondo/Thesy Kness-Bastaroli/10/12/04)

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