Weihnachten aufessen!

23. Dezember 2004, 14:06
17 Postings

Mit fünf einfachen Regeln essen Sie jedes Festbankett in Grund und Boden

Alle Jahre wieder das gleiche Dilemma: Der weihnachtsfeierlich gewölbte Magen winselt um Gnade, dabei stehen die "echten" Feiertage erst bevor. Zum Glück kennt die moderne Wissenschaft Tricks, um das Essvermögen zu maximieren und das Gefühl der Sattheit hinauszuzögern. Endlich kann Weihnachten ausgekostet werden, bis die Oma zufrieden und das letzte Keks gegessen ist. Oder, viel besser, die Nougat-Makrone.

Denn die erste Regel auf dem Weg zum Vielfraß lautet: je fetter, desto besser. Fett ist der beste Geschmacksverstärker und wird von unseren Rezeptoren seit der Urzeit besonders bevorzugt behandelt. Fett geht noch, wenn sonst nix mehr geht. Von diesem Wissen leben breite Sektoren der Nahrungsmittelindustrie. Dazu haben unzählige Studien bewiesen, dass fettes, energiedichtes Essen wesentlich weniger schnell satt macht, weil die langsamere Verdauung das Sattheitssignal im Gehirn verzögert. Deshalb ist Klugheit bei der Menüauswahl unerlässlich. Gebratene Foie gras ist eine vernünftige Vorspeise - wer Suppe wählt, wird es nie bis zum achten Gang schaffen.

Das fand die Professorin Barbara Rolls von der Pennsylvania State University heraus: Personen, denen sie im Labor eine Suppe vorgesetzt hatte, aßen im Anschluss wesentlich weniger Hauptspeise als andere, welche ein Gratin aus exakt denselben Zutaten (minus Wasser) bekommen hatten. Die Konfrontation mit dem vollen Suppenteller hatte dem Gehirn ein Maß an Sattheit signalisiert, das von der tatsächlichen Kalorienanzahl abgekoppelt ist. In Rolls' Buch "Volumetrics Weight Control" sind Suppen deshalb die Stars einer neuen "Water-Rich Diet", in der auch Gemüse gepriesen wird. Das sollte Warnung genug sein.

Die zweite Regel lautet: Beilagen sind Beilagen - und damit Nebensache. Nützlich, weil sie in Geschmack und Textur Abwechslung ins Essen bringen, sind Zuspeisen allerdings auch gefährlich, weil ihre Kohlehydrate schneller umgewandelt werden und sättigend wirken. Wenn überhaupt, sollten sie zum Abschluss des Mahls, kurz vor der Ziellinie, Verwendung finden: bei den nicht zufällig als "Mehlspeisen" klassifizierten Gängen. Der wahre Vielfraß ist stets ein Fleisch- und erst danach ein Tortentiger. Erdäpfel, Teigwaren oder gar Knödel stören diese Ordnung.

Wer sich nun Sorgen macht, etwa um die Figur, der halte sich an die dritte, weithin bekannte Regel: Der Verdauungsschnaps wirkt. Die enthemmende Wirkung des Alkohols beseitigt derlei Skrupel. Darüber hinaus hilft Schnaps tatsächlich, das Verdauungssystem zu überlisten. Für den Ernährungsberater Dr. Tomas Höhne ist erwiesen, dass "Schnaps den Verdauungstrakt lähmt und das Gefühl von Sattheit und Übelkeit verhindern kann".

Die Wirkung des Alkohols bremst demnach "einen raschen Abbau des Insulins, das damit länger wirkt und den Blutzuckerspiegel so weit senkt, dass der Hunger weiter angekurbelt wird". Wer danach vom Sessel kippt, sollte sich besser nicht auf den Professor berufen.

Ein Joint ist gut für den Appetit!

Das vierte Gebot lautet: Iss, weil Essen da ist - und ehre das Erbe deiner Ahnen. Auch bei erprobten Dehnmagen-Trägern kommt irgendwann der traurige Moment, wo der Hunger einfach nachlässt. Das ist aber noch lange kein Grund, mit dem Essen aufzuhören - besonders, wenn noch etwas da ist.

Tatsächlich essen Versuchspersonen um ein Drittel mehr, wenn verschiedene wohl gefüllte Platten und Schüsseln den Tisch biegen. Rolls entdeckt darin ein Erbe aus der Urzeit: "Für unsere Vorfahren war oft ungewiss, wann die nächste reichliche Mahlzeit auf den Tisch kommt." Ihr Gedenken sollte uns Ansporn sein.

Die fünfte Regel lautet: Umgib dich mit guten Essern. In der Studie aßen Testpersonen in Gesellschaft guter Esser um 25 Prozent mehr, gemeinsam mit schlechten Essern jedoch um 29 Prozent weniger, als sie durchschnittlich alleine vertilgt hätten. Weibliche Gourmands sollten darüber hinaus die Gesellschaft unbekannter, gut aussehender Männer beim Essen meiden: Bis zu 75 Prozent Einbußen bei der Nahrungsaufnahme hat Barbara Rolls unter diesen Bedingungen registriert.

Andere, wie Justus Verhagen, Hirnforscher an der Universität Oxford, vertrauen auf die sanften Segnungen orientalischer Nutzpflanzen: "Rauchen Sie Hasch! Ein Joint ist gut für den Appetit!" Und die Oma freut sich auch, wenn alle gut gelaunt sind. (DERSTANDARD/rondo/Severin Corti/10/12/04)

  • Artikelbild
Share if you care.