Opel: "Nur" 6.500 müssen gehen

9. Dezember 2004, 17:34
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Betriebsrat verteidigt Personaleinschnitte - Bestand deutscher Werke aber wohl nicht dauerhaft gesichert

Rüsselsheim/Berlin - Der Opel-Betriebsrat hat die mit dem Vorstand ausgehandelte Vereinbarung über Einschnitte beim Personal verteidigt. Beide Seiten hätten sich ausdrücklich dazu bekannt, "alle Maßnahmen auszuschöpfen, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden", sagte Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Opel-Chef Hans Demant am Donnerstag in Rüsselsheim.

Die vom Mutterkonzern General Motors (GM) angestrebten 10.000 Stellenstreichungen seien "bereits auf 6.500 durch entsprechende Maßnahmen reduziert" worden, sagte Franz bei der Vorstellung der geplanten Einsparungen. Die Abfindungsprogramme seien "äußerst attraktiv".

2.500 Altersteilzeitverträge

Opel-Chef Demant hatte zuvor noch die Zahl von bis zu 10.000 Jobstreichungen bekräftigt. Eine Unternehmenssprecherin stellte jedoch klar, dass dem Autobauer bereits 2.500 unterzeichnete Altersteilzeitverträge vorlägen, die in dieser Summe bereits eingerechnet seien.

Rund 1.000 Beschäftigte sollten darüber hinaus in bestehende oder neu zu gründende Joint Ventures wechseln. Demnach müssten rund 6.500 weitere Opel-Mitarbeiter das Unternehmen über Abfindungsregelungen, Transfergesellschaften oder Altersteilzeit verlassen.

Zu den Kosten für das Restrukturierungsprogramm wollte sich die Sprecherin nicht äußern. Vom Betriebsrat war zuvor ein Betrag von einer Milliarde Dollar (752 Mio. Euro) genannt worden, die die Konzernmutter GM in Detroit aufwenden müsse.

"Teillösung"

Der dauerhafte Bestand der vier deutschen Opel-Werke ist mit der "Teillösung", wie Betriebsratschef Franz die Vereinbarung nannte, aber offenbar noch nicht gesichert. Nächstes Ziel des Gesamtbetriebsrates sei es, einen "Zukunftsvertrag mit langfristiger Absicherung der deutschen Opel-Standorte abzuschließen", sagte Franz.

Einen Zeitrahmen dafür nannten weder er noch die Opel-Sprecherin. Zunächst müssten die vereinbarten Schritte zum Personalabbau umgesetzt werden, sagte die Sprecherin. Den Großteil der Einsparungen in Höhe von jährlich 500 Mio. Euro will Opel bereits im nächsten Jahr erzielen, wie Demant sagte.

Clement: "Bekenntnis zum Standort"

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hat den Sanierungsplan für Opel dennoch als Bekenntnis zum Standort Deutschland begrüßt. "Ich bin erleichtert, dass die Sanierung des Unternehmens ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgen soll und dass alle Opel-Standorte in Deutschland erhalten bleiben sollen", sagte Clement heute in Berlin.

Die Bundesregierung werde Opel und seine Beschäftigten bei der Restrukturierung weiter eng begleiten und "nach Kräften alles uns Mögliche tun, damit alle deutschen Standorte erhalten bleiben können". (APA)

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