Tu's nicht, sagt Phelps, doch Rogan tut's

10. Dezember 2004, 19:17
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Markus Rogan holt zum Auftakt zum Doppel­schlag aus - Insgesamt elf heimische Aktive sind bei der heute begin­nenden EM im Einsatz

Wien - "Tu das nicht", hat Michael Phelps gesagt. Doch Markus Rogan tut es. Der Wiener geht heute binnen fünfzig Minuten auf zwei Medaillen los, tut sich als erster Spitzenschwimmer zweimal 200 Meter an, jene über, wie man sagt, die Rücken und jene über die Lagen. Phelps, der US-Superstar, der in Athen nicht weniger als fünf Goldene holte, hatte von einem ähnlichen Experiment am Ende Abstand genommen, anschließend mit Rogan geplaudert und gemeint: "Glaub mir, das geht sich nie und nimmer aus."

Umso größer ist Rogans Ehrgeiz. "Ich versuche es auf jeden Fall", sagt er. In seiner Spezialdisziplin gilt der Rückenspezialist als Favorit, über die 200-m-Lagen zählt er jedenfalls zu den Medaillenanwärtern. Zunächst gilt es freilich die Vorläufe zu überstehen, in denen es "vergleichsweise noch stressiger wird", wie Rogans Trainer Robert Michlmayr sagt.

Der SV Schwechat hat eigens einen Scooter gekauft, mit dem Rogan den Weg vom Wettkampfbecken zum Ausschwimmen im Stadthallenbad zurücklegen will. Seine Hauptkonkurrenten über 200-m-Rücken sind Titelverteidiger Blaz Medvesek (SLO), Arkadij Wjatschanin (RUS) und Razvan Florea (ROM). Über die Lagen sind Massimiliano Rosolino (ITA), László Cseh (HUN) und vor allem Peter Mankoc (SLO) zu beachten. Rogans Lagenfähigkeiten? Michlmayr: "Hängt davon ab, wie er die Rhythmuswechsel bewältigt." Geht alles gut, schwimmt Rogan um 16.52 Uhr (Rücken) und um 17.44 Uhr (Lagen) um Medaillen.

Elf von 14 heimischen Aktiven sind bereits heute im Einsatz. Auf Sebastian Stoß kommt dasselbe Programm zu wie auf Rogan, Birgit Koschischek krault 100 Meter, Lukas Ostermaier konzentriert sich auf 200-m-Rücken. Dominik Koll krault sich über 400 Meter ein, Oliver Schmich beginnt über 200-m-Lagen. Maxim Podoprigora geht über 100-m-Brust aufs morgige Finale los, Stefan Wipplinger debütiert im selben Bewerb, Julia Lewandowski und Mirna Jukic sprinten Brust, Jukic könnte fürs Finale gut sein. Über 200-m-Delfin hofft Petra Zahrl auf eine Medaille.

Am Ende der Vormittagssession wird erstmals seit mehr als 16 Jahren, seit den Olympischen Spielen 1988 in Seoul, wieder eine österreichische Herrenstaffel bei einem Großereignis zu sehen sein. Ostermaier (Rücken), Podoprigora (Brust), Schmich (Delfin) und Koll (Kraul) versuchen sich über 4 x 50-m-Lagen, die Aussichten aufs Erreichen des Endlaufs sind freilich gering. Fabienne Nadarajah, Judith Draxler und Marilies Demal steigen erst morgen in die Titelkämpfe ein.

Der deutsche Star

Die deutsche Mannschaft wird von Thomas Rupprath angeführt, einem Kurzbahnspezialisten. Nach dem Karriereende von Franziska van Almsick und der Schaffenskrise der fünfmaligen Weltmeisterin Hannah Stockbauer ist vor allem er gefordert, den deutschen Verband nach dem enttäuschenden Abschneiden bei Olympia wieder auf Erfolgskurs zu bringen. "Die Erwartungshaltung ist kein Problem für mich. Ich will immer Bestzeit schwimmen", erklärt Rupprath, der "mindestens einmal Gold" anpeilt.

Über 100-m-Rücken könnte Rupprath, der auch blendend delfiniert, auf Rogan treffen, seine bisherige Bilanz während der Kurzbahnsaison ist tadellos. Bei der WM in Indianapolis, wo Rogan fehlte, holte er Gold, Silber und Bronze, beim Weltcup-Auftakt in Südafrika und den deutschen Meisterschaften ließ er Fünffachtriumphe folgen. Kein Wunder, dass er Selbstbewusstsein buchstabieren kann. "Ich denke, dass ich auf der Kurzbahn ein bisschen stärker als Markus bin. Meine Stärken sind der Start und die Wende, und in der Unterwasserphase bin ich weltweit führend." (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 9. Dezember 2004, fri, sid, APA)

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    Phelps: "Glaub mir, das geht sich nie und nimmer aus"

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