Deutsche Justiz weitet Ermittlungen aus

9. Dezember 2004, 22:05
1 Posting

27 Soldaten im Visier der Staatsanwaltschaft - Struck will Frauenanteil in Armee von fünf auf zehn Prozent erhöhen

Münster/Coesfeld - Nach den Misshandlungen von Soldaten in Coesfeld (deutsches Bundesland Nordrhein-Westfalen) hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen ausgeweitet. Mittlerweile werde gegen 27 Soldaten ermittelt, sagte Münsters Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer am Mittwoch. Darunter seien ein Hauptmann, 19 Unteroffiziere und 7 Mannschaftsdienstgrade. Die Bundeswehr habe zudem mögliche weitere Fälle angekündigt. Wehrpflichtige waren in Coesfeld mit Schwachstrom, Wasser und Schlägen malträtiert worden.

Unterdessen äußerte sich Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) zurückhaltend zu Vorwürfen, nach denen die Misshandlungen in Coesfeld von Vorgesetzten angeordnet worden seien. Ein beschuldigter Ausbilder hatte am Montag gesagt, die umstrittenen Übungen seien von Zugführern angeordnet worden. "Ich weiß nicht, ob diese Behauptung stimmt, die der Ausbilder dort öffentlich erhoben hat", sagte Struck im Bayerischen Rundfunk. Er habe angeordnet, dass allen Vorwürfen nachgegangen werde. Schweer betonte, gegen die von dem Ausbilder beschuldigten Zugführer werde bereits ermittelt.

Der Ausbilder hatte dem Magazin "Report Mainz" des Südwestrundfunks unter anderem gesagt, die fingierten Geiselnahmen seien von Vorgesetzten "akribisch vorbereitet" worden. Vielen Beschuldigten sei nicht bewusst gewesen, gegen Vorschriften verstoßen zu haben.

Struck sprach sich zudem dafür aus, den Frauenanteil in der Bundeswehr von derzeit knapp fünf auf zehn Prozent anzuheben. Die Leistungsfähigkeit der Frauen sei uneingeschränkt mit der von Männern vergleichbar. Psychisch seien sie sogar oft gefestigter als ihre männlichen Kameraden, sagte Struck dem Magazin "Stern". "Vielleicht müssen wir uns dann nicht mehr mit solchen Bildern auseinander setzen, wie wir sie jüngst aus Coesfeld gesehen haben." Zugleich forderte er eine Debatte über die neue Rolle der Bundeswehr. Derzeit würden 35.000 Soldaten als Eingreifkräfte für friedenserzwingende Operationen nach einem UNO-Mandat aufgestellt.

Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Forsa-Umfrage im Auftrag des "Stern" sprachen sich 49 Prozent der Deutschen dafür aus, die Wehrpflicht beizubehalten. 46 Prozent wollten dagegen die Wehrpflicht abschaffen und die Bundeswehr in eine Berufsarmee umwandeln. (APA/dpa)

Share if you care.