Barghuti erwägt Rückzug bei Palästinenser-Wahl

10. Dezember 2004, 13:47
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Voraussetzung sei Umsetzung von Forderungen durch PLO-Chef Abbas

Jerusalem - Der inhaftierte Fatah-Politiker Marwan Barghuti (Barghouthi) erwägt offenbar einen Verzicht auf seine Kandidatur bei der palästinensischen Präsidentenwahl. Voraussetzung dafür sei, dass sein aussichtsreichster Gegenkandidat, PLO-Chef Mahmud Abbas, dessen politische Forderungen umsetze, sagte ein hochrangiges Mitglied der Fatah am Mittwoch.

Die Fatah drängt Barghuti, sich aus dem Rennen um die Nachfolge des verstorbenen Präsidenten Yasser Arafat zurückzuziehen, und droht ihm mit einem Ausschluss aus der Bewegung. Barghuti ist von einem israelischen Gericht wegen Anschlägen auf Israelis zu fünf Mal lebenslanger Haft verurteilt worden. Umfragen zufolge liegen beide Kandidaten in der Wählergunst nahezu gleichauf.

Abbas soll auf Ostjerusalem als Hauptstadtbestehen

Nach den Worten des Fatah-Mitglieds fordert Barghuti unter anderem, dass Abbas auf Ostjerusalem als Hauptstadt eines künftigen palästinensischen Staates bestehe. Abbas solle sich zudem für die Freilassung palästinensischer Gefangener und das Ende gezielter Angriffe Israels auf militante Palästinenser einsetzen.

Weiters solle sich Abbas bei den Israelis um den Abzug aller israelischen Sicherheitskräfte aus dem Westjordanland noch vor den Wahlen bemühen, sagte der Vertraute Barghutis. Schließlich müsse der Bau des Grenzzauns zwischen Israel und dem Gaza-Streifen gestoppt werden. "Wenn Abbas zustimmt, diese Punkte umzusetzen, wird sich Marwan zurückziehen und dies sehr bald offiziell erklären."

Der als charismatisch geltende Barghuti geht als unabhängiger Kandidat ins Rennen um die Arafat-Nachfolge. Im Gegensatz zu Abbas genießt er auch die Unterstützung radikaler Palästinenser.

Der ehemalige Ministerpräsident Abbas ist der Wunschkandidat Israels und der USA und gilt als Hoffnung für eine Wiederbelebung des Friedensprozesses im Nahen Osten. Ein Wahlsieg Barghutis könnte Beobachtern zufolge den Friedensprozess gefährden. (APA/Reuters)

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