Irakische Zahlen über Ziviltote sind zuverlässig

9. Dezember 2004, 17:51
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Britischer Premier lehnt indirekt Forderung nach unabhängiger Untersuchung ab

London - Der britische Premier Tony Blair hat am Mittwoch indirekt die Forderung zahlreicher Prominenter, Diplomaten und Militärs abgelehnt, eine unabhängige Untersuchung über die Opfer unter der Zivilbevölkerung im Irak einzuleiten. Im Unterhaus sagte Blair, die vom irakischen Gesundheitsministerium vorgelegten Zahlen seien zuverlässig. Demnach starben zwischen April und Oktober dieses Jahres im Irak 3.853 Zivilisten. Mehr als 15.000 wurden verletzt.

In einem offenen Brief hatten sich 44 Prominente an Blair gewandt. Sie beriefen sich auf eine kürzlich im Fachmagazin "The Lancet" veröffentlichte Studie, wonach seit Beginn des Krieges im März vergangenen Jahres schätzungsweise 100.000 Zivilisten ums Leben gekommen sind. Der jüngste Kampf um die Rebellenhochburg Falluja ist dabei noch nicht berücksichtigt.

Die Verfasser kritisierten, dass die Regierung in London keine eigene Schätzung vorgenommen habe und erinnerten Blair daran, dass die Regierung gemäß internationalen Rechts verpflichtet sei, die Zivilbevölkerung im Kriegsfall zu schützen. "Ohne die Toten und Verwundeten zu zählen, kann niemand wissen, ob Großbritannien und seine Verbündeten diese Verpflichtung erfüllen", hieß es in dem Schreiben.

Es war unter anderem vom ehemaligen General Sir Hugh Beach, dem Bischof von Coventry, Colin Bennetts, dem ehemaligen Botschafter im Irak, Sir Stephen Egerton, dem Dramatiker Harold Pinter und der Menschenrechtsaktivistin Bianca Jagger unterzeichnet worden.

Nach dem Bericht US-amerikanischer und irakischer Gesundheitsexperten im "Lancet" ist das Risiko eines gewaltsamen Todes im Irak seit dem Krieg 58 Mal höher als zur Zeit des Regimes von Präsident Saddam Hussein. Die meisten der getöteten Zivilisten seien Frauen und Kinder, die Militäraktionen zum Opfer fielen, vor allem Luftangriffen der US-Amerikaner und ihrer Verbündeten. (APA/dpa)

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