852 Millionen Menschen sind chronisch unterernährt

9. Dezember 2004, 12:33
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UNO: Internationale Gemeinschaft toleriert die extrem hohen Kosten von Hunger und Unterernährung - Mit Infografik

Wien/Rom - 852 Millionen Menschen weltweit sind chronisch unterernährt. Jährlich sterben mehr als fünf Millionen Kinder an den direkten oder indirekten Folgen von Hunger und Fehlernährung. Das sind die Zahlen des Weltberichts zu Hunger und Unterernährung der UNO-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO, der am Mittwoch in Rom vorgestellt wurde. Die FAO kritisierte, dass die internationale Gemeinschaft die extrem hohen Kosten von Hunger und Unterernährung toleriere und nicht entschieden genug dagegen kämpfe.

Die Zahl der Hungernotstände hat sich in den vergangenen Jahren (seit 2000) verdoppelt. Gab es laut FAO in den achtziger Jahren noch durchschnittlich 15 solcher Vorfälle, sind es in den vergangenen Jahren im Schnitt 30. Vor allem in Afrika ist diese Zahl stark gestiegen. Hungerkatastrophen sind sowohl auf Naturereignisse als auch auf vom Menschen fabrizierte Ursachen zurückzuführen. So gehen beispielsweise im Sudan bewaffnete Auseinandersetzungen mit Dürre Hand in Hand, während der Nachbarstaat Tschad mit der sudanesischen Flüchtlingstragödie fertig werden muss. In einigen mittelamerikanischen Staaten und der Mongolei sind die Ursachen vor allem im ökonomischen Desaster zu suchen.

Kein entscheidender Durchbruch

Laut der UN-Organisation bringt jeder Euro, der zur Reduzierung von Hunger ausgegeben wird, einen fünf- bis 20-fachen höheren Ertrag. In den Entwicklungsländern verursacht die Unterernährung Einbußen beim Bruttosozialprodukt zum Gegenwartswert von 500 Milliarden Dollar (372 Mrd. Euro). Die Ursache dafür: Kinder erreichen nicht ihre volle Lebensarbeitsleistung.

Trotz beachtlicher Erfolge in vielen Ländern habe es global bei der Bekämpfung des Hungers bisher keinen entscheidenden Durchbruch gegeben, so die FAO. Die Zahl der Unterernährten sei nach neuesten Schätzungen beinahe gleich geblieben. 815 Millionen der Hungernden lebten in Entwicklungsländern, 28 Millionen in den ehemaligen Ostblock-Staaten, neun Millionen in westlichen Industrieländern. Seit Mitte der neunziger Jahre ist die Gruppe der chronisch Unterernährten um 18 Millionen Menschen angewachsen.

Hoffnung

Die FAO konstatierte jedoch auch Hoffnungsschimmer: Der Anteil der Unterernährten an der Gesamtbevölkerung in den Entwicklungsländern - ohne China und Indien - ist seit Mitte der neunziger Jahre von 20 auf 18 Prozent gesunken. Mehr als 30 Länder mit einer Bevölkerung von insgesamt 2,2 Milliarden Menschen haben den Anteil der Unterernährten im vergangenen Jahrzehnt um mindestens 25 Prozent verringert. In Afrika südlich der Sahara ist der Zuwachs bei der Zahl der Unterernährten von jährlich fünf Millionen im Berichtszeitraum 1995/97 auf eine Million (2000/2002) zurückgegangen.

Mit entsprechenden Gegenstrategien wäre es möglich, die Zahl der Hungernden bis zum Jahr 2015 zu halbieren und Produktivitätssteigerungen in armen Ländern in Höhe von 120 Milliarden Dollar (89,3 Mrd. Euro) zu erreichen, betonte die FAO. Die Kosten solcher Programme würden sich auf rund 24 Milliarden Dollar (17,9 Mrd. Euro) belaufen. Gefragt wären vor allem Investitionen in angepasste Technologien, Bewässerung, Kommunikation, Straßenbau und Vermarktung. Zudem könnten die Ärmsten mit Schulspeisungen, Nahrung-für-Arbeit-Projekten und sozialen Netzen unterstützt werden. (APA)

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    Eine sudanesische Frau mit ihrem unterernährten Kind in einem Flüchtlingscamp in Darfur

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