Stellvertretende Zerstörung von Frauenkörpern

8. Dezember 2004, 12:02
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Amnesty Österreich beklagt systematische Kriegsgewalt gegen Frauen und will über Internationalen Strafgerichtshof Gerechtigkeit einfordern

Wien - "Muster von Gewalt gegen Frauen in bewaffneten Konflikten ergeben sich nicht 'wie von selbst', sie werden angeordnet, stillschweigend geduldet oder einfach toleriert", meinte Heinz Patzelt, Generalsekretär der Österreich-Sektion von amnesty international-Österreich, am Dienstag in einer Aussendung. "Diese Formen der Gewalt dauern an, weil die Täter wissen, dass sie ohne Bestrafung davonkommen."

Hauptleidtragende sind Frauen

Die Menschenrechtsorganisation amnesty international sieht Frauen und Mädchen in einem Bericht, den sie am Dienstag in London präsentierte, als Hauptleidtragende in bewaffneten Konflikten. Patzelt: "Frauen werden sexuell erniedrigt und ihre körperliche Integrität wird zerstört, um einerseits ganze Gemeinschaften zu terrorisieren, zu erniedrigen und zu 'besiegen', andererseits werden Frauen auf diese Weise bestraft, eingeschüchtert und gedemütigt."

Der amnesty-Bericht biete einen weltweiten Überblick, der ein systematisches Muster von Missbrauch aufzeige, das überall auf der Welt in bewaffneten Konflikten auftauche, heißt es in der Aussendung von ai-Österreich weiter. Trotz Versprechungen, Verträgen und juristischen Maßnahmen hätten Regierungen darin versagt, Frauen und Mädchen vor Gewalt zu schützen.

Gerechtigkeit einfordern

Der Justiz komme eine Schlüsselposition zu, um diese Gewalt zu stoppen. Besonders im Internationalen Gerichtshof sieht ai-Österreich eine neue Chance für Frauen, Gerechtigkeit einzufordern. Die Rechtsprechung bestätige, dass Vergewaltigung und sexuelle Gewalt gegen Frauen Verbrechen seien, sie stelle Würde und Selbstwertgefühl der Frauen wieder her und ermögliche Wiedergutmachung. "Es ist absolut notwendig, dass einer der ersten Fälle des Internationalen Strafgerichtshofs im nächsten Jahr sich mit Gewalt gegen Frauen befasst", betont Patzelt. "Es braucht ein starkes Signal, dass Gewalt gegen Frauen bedingungslos verfolgt und bestraft wird." (APA)

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    Frauen bei einer Anti-Kriegs-Demo in Hannover.
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