Bischof Küng greift durch

10. Dezember 2004, 11:28
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Nach "Besitzergreifung der Diözese St. Pölten" - "Geistliche Zeit" für Küchl und Rothe

St. Pölten - Klaus Küng hat "nach dem Ende der Apostolischen Visitation und der Besitzergreifung der Diözese St. Pölten" - wie es in seiner Erklärung heißt - erstmals durchgegriffen. Von ihm getroffene und am Dienstagabend bekannt gewordene Maßnahmen betrafen die - im Zusammenhang mit der "Causa Priesterseminar" - "vor einigen Monaten in weltweite Schlagzeilen geratenen Priester Prälat Ulrich Küchl und Wolfgang F. Rothe".

Es habe sich um Entscheidungen gehandelt, "die noch offen waren nach der Visitation", sagte Küng-Sekretär Pater Bernhard Augustin am Mittwoch. Diese Fragen seien damit abgeschlossen.

Eisgarn "ruhend gestellt"

Die von Küng getroffenen Maßnahmen: Die Propstei Eisgarn (der Küchl vorgestanden ist) wird für das Jahr 2005 "ruhend gestellt". Küchl und Rothe müssen 2005 eine "geistliche Zeit" der Besinnung wahrnehmen. Rothe wurde von seinen Ämtern als Bischöflicher Sekretär, Diözesanreferent für rechtliche Fragen, Ehebandverteidiger am Kirchengericht und Kanonikus in Eisgarn "rechtskräftig entbunden". Zugleich kündigte Küng an, dass er eine neue Leitung für das Priesterseminar St. Pölten ernennen wird, damit im Studienjahr 2005/2006 ein "glaubwürdiger Neubeginn" möglich ist.

Rothe, ehemaliger Subregens am Priesterseminar, stürzte Dienstagfrüh, Stunden nach einem Gespräch mit dem Bischof, in dem ihm die Konsequenzen mitgeteilt worden sein dürften, vom Balkon seiner im ersten Stock gelegenen Wohnung in St. Pölten. Er sei alkoholisiert gewesen, war aus der Diözese zu erfahren. Rothe ist mit Prellungen und einer Gehirnerschütterung davon gekommen. Er habe einen "Riesen-Schutzengel" gehabt, so Pater Augustin am Mittwoch. Mit Küchl, dem ehemaligen Regens am Priesterseminar, hatte Küng am Dienstag eine Aussprache.

Von weiteren Maßnahmen, die bevorstehen könnten, wisse er nicht, so Augustin auf Anfrage. "Das hängt vom Bischof ab, was er noch auf der Evidenzliste hat."

Unter "Blickwinkel des Gemeinwohles" gehandelt

Der St. Pöltner Bischof Klaus Küng betonte, dass die von ihm getroffenen Entscheidungen "nicht die Feststellung von Schuld oder Unschuld" der in die (eine Apostolische Visitation bewirkenden) Vorkommnisse verwickelten Personen beträfen. Die Maßnahmen seien vielmehr "unter dem Blickwinkel des Gemeinwohles und des Wohles dieser Personen, der Gewährung einer Besinnungszeit und eines glaubwürdigen Neubeginns zu bewerten".

Dass Prälat Ulrich Küchl und der frühere Subregens Wolfgang F. Rothe von Küng aufgefordert worden seien, "in eine Opus Dei-Psychotherapieanstalt zu gehen", wie am Dienstag in einer Aussendung der "Bürgerinitiative zum Schutz des Lebens und der Menschenwürde" festgehalten, könne er "nur dementieren", sagte der Sekretär des Bischofs, Pater Bernhard Augustin, am Mittwoch zur APA. "Das ist richtig aus der Luft gegriffen." Ebenso sei "in keinster Weise" die Rede davon gewesen, Rothe vom Priesteramt zu suspendieren. Diese Behauptung sei eine "Unterstellung".

"Es gibt immer wieder Leute, die nicht einverstanden sind", stellte Augustin zu den von der "Bürgerinitiative" erhobenen Vorwürfen fest. "Ich weiß nicht, welche Absicht dahinter steckt und welches Kapital auch immer man daraus schlagen möchte."

Als "ganz anderes Thema" bezeichnete der Küng-Sekretär am Mittwoch die Frage des künftigen Wohnsitzes von Altbischof Kurt Krenn. Eine Klärung sollte "möglichst bald" erfolgen. Er gehe davon aus, dass das nach dem Krankenhaus-Aufenthalt des Altbischofs der Fall sein werde. Krenn, der noch immer im Bischöflichen Palais wohnt, ist nach einer Infektion der Harnwege auf dem Weg der Besserung. Er werde vermutlich noch eine Woche im Zentralklinikum St. Pölten bleiben, hatte der behandelnde Arzt Peter Balcke am Dienstag auf Anfrage mitgeteilt. Krenn gehe es wieder "sehr gut". (APA)

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