Ex-Subregens Rothe aus dem Fenster gestürzt

8. Dezember 2004, 21:33
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Unfall nach Aussprache mit Bischof Küng - Pressesprecher bestätigt: Priester war alkoholisiert

St. Pölten - Die krisengeschüttelte Diözese St. Pölten kommt nicht zur Ruhe. Der ehemalige Subregens des örtlichen Priesterseminars, Wolfgang Rothe, ist am Dienstag in den frühen Morgenstunden offenbar unter starkem Alkoholeinfluss von seinem Balkon gestürzt und hat sich dabei verletzt.

Wenige Stunden davor war ihm von Bischof Klaus Küng mitgeteilt worden, dass er von seinen Tätigkeiten wie etwa als Bischöflicher Sekretär "rechtskräftig entbunden" werde. Auch der frühere Leiter des Priesterseminars, Ulrich Küchl, muss für ein halbes Jahr "eine geistliche Zeit" wahrnehmen.

Rothe und Küchl standen im Mittelpunkt des Skandals um das Priesterseminar St. Pölten, der letztlich in der Ablöse von Bischof Kurt Krenn mündete. Von den beiden Leitern des Seminars waren Fotos im Nachrichtenmagazin "profil" aufgetaucht, die sie in scheinbar verfänglichen Situationen zeigen.

Rothe bestreitet hingegen, einen Seminaristen geküsst zu haben und spricht nur von einer Umarmung. Eine Klage gegen "profil" wird derzeit vom Gericht behandelt. Auch Küchl beschritt den Klagsweg zwecks seiner Rehabilitation.

Propstei Eisgarn "ruhend gestellt"

In der Diözese haben die beiden in nächster Zeit jedenfalls leiser zu treten. Küng verfügte am Dienstag, dass die von Küchl geleitete Propstei Eisgarn für das Jahr 2005 "ruhend gestellt" wird. Danach ist eine Wiedereröffnung vorgesehen.

Konkret zu Küchl und Rothe betonte der Bischof, die beiden "weltweit in die Schlagzeilen geratenen Priester" müssten 2005 eine "geistliche Zeit" der Besinnung wahrnehmen. Für den ehemaligen Regens gilt diese für ein halbes Jahr, für Rothe für eine nicht näher definierte Zeitspanne.

Anschließend an diese solle er sich der Seelsorge widmen. Für das Priesterseminar will Küng eine neue Führung ernennen, um im Studienjahr 2005/2006 einen "glaubwürdiger Neubeginn" möglich zu machen.

"Nicht als Schuldspruch zu werten"

Die Entscheidungen seien jedoch nicht als Schuldspruch zu werten, meinte der Bischof sinngemäß: Sie beträfen nicht die Feststellung von Schuld oder Unschuld der in die Vorkommnisse verwickelten Personen, sondern seien unter dem Blickwinkel des Gemeinwohles und des Wohles dieser Personen, der Gewährung einer Besinnungszeit und eines glaubwürdigen Neubeginns zu bewerten, erklärte er der Kathpress.

Rothe dürfte von diesen Entscheidungen ungeachtet dessen stark betroffen gewesen sein. Nach der Mitteilung Küngs, dass er auch zukünftig keine Positionen innehaben werde, habe der frühere Subregens beim Weggehen nach der Unterredung einen Schwächeanfall erlitten und sei nach Hause gebracht worden, berichtet das ORF Landesstudio.

Dort stürzte er um 4.40 Uhr aus dem Fenster. Laut Pressereferat der Diözese hatte Rothe zu diesem Zeitpunkt einen Gast, der dann auch die Rettung verständigte. Nach bisher vorliegenden Informationen erlitt der offenbar unter starkem Alkoholeinfluss stehende Geistliche eine Gehirnerschütterung und Prellungen. (APA)

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    Wolfgang Rothe hatte Besuch, als er aus dem Fenster stürzte.

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