Massive Kürzungen für das Stadttheater in Klagenfurt

9. Dezember 2004, 18:01
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Für Intendant Dietmar Pflegerl ein "Anschlag auf die künstlerische Qualität"

Klagenfurt - In der Kärntner Kulturszene herrscht Empörung. Ihr letztes Flaggschiff, das Klagenfurter Stadttheater, soll massiv zusammengestutzt werden. In einem wahren Überraschungscoup hat der Stadtsenat am Dienstag mit VP-FP-Mehrheit massive Kürzungen für das längst auch international erfolgreiche Theater beschlossen.

Überraschend deshalb, weil zuvor nur von "Deckelungen" des Abgangs die Rede war, mit denen Stadttheater-Intendant Dietmar Pflegerl hätte leben können. Die Differenz hätte aus den von ihm angesammelten Theater-Rücklagen in der Höhe von 1,2 Millionen Euro aufgefangen werden können.

Doch diesen bereits akkordierten Vorschlag durchkreuzte der freiheitliche Kulturstadtrat Mario Canori. Er verlangte nicht nur die gesamte Rückzahlung der Rücklagen, sondern darüber hinaus noch eine Kürzung der Abgangsdeckung von 500.000 bis zu einer Million Euro. Das bedeutet im nächsten Jahr eine Budgetkürzung von 14,03 auf 13,53 Millionen Euro. Der Klagenfurter Bürgermeister Harald Scheucher (VP) folgte ihm mit seiner Partei willig.

"Das ist ein Anschlag auf die künstlerische Qualität des Hauses", schäumt Pflegerl, der dahinter den langen Arm seines "Intimfeindes", des Kärntner Kulturreferenten Jörg Haider, vermutet: "Jetzt hat er erreicht, was er immer wollte, mich wegzumobben." Es stimme ihn traurig, "dass hier Kulturbanausen am Werk sind, die dieses Haus am Höhepunkt seines Erfolges brutal zerstören", so der Stadttheater-Intendant im Gespräch mit dem STANDARD. Seinen bis 2007 laufenden Vertrag will Pflegerl nun nicht mehr verlängern: "Ich werde nicht zusehen, wie mein Lebenswerk von einem eifersüchtigen Gockel zerstört wird, der es nicht ertragen kann, dass neben ihm ein anderer Erfolg hat."

90 Prozent Auslastung

In der Tat kann sich das Klagenfurter Stadttheater im Vergleich mit anderen Länderbühnen sehen lassen. Es ist mit 90 Prozent das am besten ausgelastete Landestheater und hat nach Salzburg den niedrigsten Förderbedarf, den sich Stadt und Land im Verhältnis 40:60 aufteilen.

Bei der Seebühne, die längst im Chaos unterzugehen droht, ist dagegen von Sparen keine Rede: Allein in diesem Jahr wurden dafür drei Millionen Euro unter Mithilfe der Stadt Klagenfurt locker gemacht. Dabei ist das für 2005 geplante Musicalprojekt "Napoleon" nun endgültig geplatzt.

In der Zwickmühle befindet sich die Kärntner SPÖ, die auf Stadtebene gemeinsam mit den Grünen einen Rettungsversuch für das Stadttheater starten wollte, aber überstimmt wurde. Haiders SP-Koalitionspartner auf Landesebene, Peter Ambrozy, rümpfte zwar über den freiheitlichen Theatercoup öffentlich die Nase, koalitionsintern waren die Kürzungen des Stadttheaters im Landesbudget bis 2009 jedoch längst fixiert worden.

Das treibt jetzt die SP-Kultursprecherin Nicole Cernic zur Weißglut: " Wenn es der SPÖ als annähernd gleich starkem Koalitionspartner nicht gelingt, die Demontage des Theaters zu verhindern, dann erwirbt sie historische Mitschuld an dieser Schandtat Jörg Haiders." Parteichef Ambrozy müsse das jetzt mit Haider regeln, fordert sie: "Sonst verkommt die SPÖ zum Erfüllungsgehilfen der FPÖ."

Doch der nächste Schlag steht schon bevor. Haider will das Stadttheater im Theaterausschuss am 20. Dezember in eine Ges.m.b.H. umwandeln lassen. Das würde eine völlige Entmachtung des Intendanten bedeuten, weil die Gesellschafter nicht nur über das Budget, sondern auch über die künstlerischen Belange entscheiden würden.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.12.2004)

Von
Elisabeth Steiner
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