Geburtsmonat beeinflusst Risiko für Multiple Sklerose

13. Dezember 2004, 12:49
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Unter den Mai-Geborenen finden sich um zehn Prozent mehr Erkrankungen, unter den November-Geborenen deutlich weniger

Oxford - Kinder, die im Mai geboren werden, weisen ein erhöhtes Risiko für Multiple Sklerose (MS) auf. Die Analyse von MS-Raten unter 40.000 Patienten aus der nördlichen Hemisphäre ergab ein signifikant niedrigeres Risiko für November-Geborene. Der Effekt war in Schottland am offensichtlichsten, wo die Verbreitung von MS am höchsten ist. Das ergab eine Studie der Universität Oxford, die vom British Medical Journal (BMJ) veröffentlicht wurde.

Das Forscherteam geht davon aus, dass komplexe Wechselwirkungen zwischen Genen und Umweltbedingungen vor und kurz nach der Geburt ihre Ergebnisse erklären. Die Wissenschaftler analysierten die Daten des Geburtsmonats und die Krankengeschichten von 17.874 kanadischen und 11.502 britischen Patienten. Sie wurden mit einer Kontrollgruppe aus der Allgemeinbevölkerung und gesunden Geschwistern verglichen. In Kanada wurden signifikant weniger Menschen mit MS im November geboren. In Großbritannien wurden ebenfalls weniger Menschen mit MS im November geboren, dafür mehr im Mai. Die Forscher untersuchten auch Daten aus Dänemark und Schweden und beobachteten einen Spitzenwert im Mai und einen Rückgang im November.

Rate bei November-Geborenen am niedrigsten

Die Daten belegen eine um zehn Prozent erhöhte Rate im Mai und eine zehn Prozent niedrigere Rate an Erkrankungen im November. Laut Forschungsleiter George Ebers sind die Ursachen für diesen Unterschied unklar. "Der Zeitpunkt der Geburt als Risikofaktor variiert saisonal und steht wahrscheinlich mit der Entwicklung des Zentralnervensystems oder des Immunsystems in Wechselwirkung", so die Forscher im BMJ. Andere Studien sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Einwirkung der Sonne oder jahreszeitenabhängige Variationen der Vitamin-D-Level der Mutter während der Schwangerschaft einen Einfluss auf die Entwicklung des Gehirns des Ungeborenen haben.

Ebers empfiehlt Menschen mit einem MS-Fall in der Familie den Zeitpunkt der Zeugung zu berücksichtigen. Mike O´Donovan von der britischen MS-Gesellschaft sagte, die Umweltfaktoren dürften in dem komplexen Puzzle der Forscher nicht vernachlässigt werden. In Großbritannien gibt es etwa 85.000 MS Patienten. Die Krankheit wird meist im Alter zwischen 20 und 40 diagnostiziert. Frauen sind fast doppelt so oft betroffen. (pte)

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