US-Soldat erschoss Iraker "aus Mitleid"

9. Dezember 2004, 07:19
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Mordanklage vor Kriegsgericht in Deutschland - Tat wurde von fliegender Überwachungskamera aufgezeichnet

Wiesbaden - Ein wegen Mordes an einem Iraker angeklagter US-Soldat ist nach zivilrechtlichen Anhörungen auf dem US-Armeestützpunkt in Hanau bei Frankfurt an ein Kriegsgericht überstellt worden. Ein Datum für die Verlesung der Anklageschrift, der Prozessbeginn und der Gerichtsort seien aber noch nicht festgesetzt worden, erklärte die US-Armee am späten Montagabend. Dem 29-jährigen Rogelio Maynulet wird vorgeworfen, einen Anhänger des radikalen Schiiten-Führers Moktada Sadr im Mai nahe der irakischen Stadt Kufa aus nächster Nähe bewusst erschossen zu haben.

"Aus Gnade"

Zeugen bezeichneten den Angeklagten bei den Anhörungen als integren Armeeangehörigen, der den Iraker aus Gnade erschossen habe. Soldaten hatten damals ein Fahrzeug verfolgt, in dem sie Mitglieder der Sadr-Miliz vermuteten. Während der Verfolgungsjagd hatten die Soldaten geschossen und den Fahrer des Wagens sowie einen Insassen verletzt.

Ein Zeuge schilderte bei der Anhörung vor einem amerikanischen Ermittlungsrichter in Hanau ein Gespräch mit dem Angeklagten nach der Tat. Der 29-Jährige habe erzählt, der Iraker sei so schwer am Kopf verletzt worden, dass ihm ein anwesender Arzt keine Überlebenschance mehr gegeben und er ihn deswegen in den Nacken geschossen habe. US-Soldaten ist es laut Anklage bei einem Militäreinsatz jedoch untersagt, Verletzte zu töten. Termin und Ort der Verhandlung müssten noch festgelegt worden, sagte Armeesprecher.

Kaum Anklagen

Maynulet ist einer der wenigen US-Soldaten, die sich wegen entsprechender Anschuldigungen vor einem Gericht verantworten müssen. Im Fall einer Verurteilung drohen dem Soldaten eine Haft- und Geldstrafe sowie die Entlassung aus der Armee. Seine Anhörung hatte Ende Juni in Bagdad begonnen. Ende Juli wurde sie in Hanau fortgesetzt, weil die Einheit des US-Hauptmanns inzwischen wieder nach Deutschland verlegt wurde.

Die Tat Maynulets war von einer Drohne, einem unbemannten Überwachungsflugzeug, auf Video aufgezeichnet worden. Die Aufzeichnungen wurden während der Anhörung in Hanau vorgeführt - allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit, um die US-Streitkräfte im Irak nicht zu gefährden, wie es hieß. (APA/AP)

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    Der aus Kuba stammende Rogelio Maynulet soll laut Militärankläger beschlagnahmte Waffen an Iraker verkauft haben.

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