"Ordentliche Bücher in Zeiten der Pisa-Studie"

13. Dezember 2004, 20:56
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Wiener Hauptbibliothek zeigt 160 typografisch vorbildliche Bücher aus Österreich, Deutschland, Schweiz: "Die schönsten Bücher 2003"

Wien - "In Zeiten von Pisa-Studien kann man gar nicht genug zeigen, wie ordentlich gemachte Bücher aussehen", sagte Martin Tiefenthaler von der Typographischen Gesellschaft Austria (tga) bei der heutigen Presseführung zur Ausstellung "Die schönsten Bücher Deutschlands, Österreichs und der Schweiz 2003" (8. Dezember bis 28. Jänner). Zum zweiten Mal findet die jährliche Schau in der Wiener Hauptbibliothek statt, wo die 160 von einer Jury nach gestalterischen Kriterien für "schön" erklärten Bücher in Vitrinen zu sehen sind. Das "schönste Buch Österreichs" ist der mit dem Staatspreis 2003 gekürte Band "Frozen History" von Josef Hoflehner.

Im letzten Jahr mehr Schulbücher eingereicht

Die Art des Buches spielt bei der Einreichung keine Rolle, "obwohl interessanterweise im letzten Jahr mehr Schulbücher eingereicht wurden, jedenfalls in Deutschland", so Tiefenthaler. Es sei bekannt, dass gerade die Gestaltung von Schulbüchern einen wesentlichen Einfluss auf das Lernverhalten von Schülern habe. "Studien zufolge werden mathematische Übungen in Textform um 30 bis 40 Prozent schlechter gelöst, wenn die Gestaltung schlecht ist", so Tiefenthaler weiters. "Gerade nach dieser Pisa-Studie sollte dieser Gedanke den österreichischen Schulbuchgestaltern Anreiz geben".

Grafik, Papier, Druck und Duotonqualität beim Staatspreisträger ausschlaggebend

Beim österreichischen Staatspreisträger "Frozen History" sei etwa neben der grafischen Gestaltung auch das qualitätvolle Papier, der exzellente Druck und die herausragende Duotonqualität ausgezeichnet worden. Überzeugt hat die Jury, bestehend aus Buchgestaltern, Druckern und Verlegern, auch das Film-Buch "Deanimated" von Akira Mizuta Lippit, Thomas Miessgang, Wolfgang Pircher und Martin Arnold. Gestaltet wurde es von Walter Pamminger und Anna Bertermann. "Das kulinarische Erbe Österreichs" von Ewald Plachutta und Christoph Wagner, das von Alessandri Design, Marion Mair, Alice Nemecek und Hans Proschofsky in Form gebracht wurde, beweist, wie man Traditionelles modern gestalten kann.

Insgesamt gab es heuer 364 Einreichungen. Die Prämierungen erfolgen in den jeweiligen Ländern unterschiedlich. So vergeben Deutschland und die Schweiz jeweils drei Preise. Österreich koppelt den mit 3.000 Euro dotierten Preis mit dem Staatspreis, der bereits im Februar dieses Jahres vergeben wurde.

"Grundsätzlich geht es uns aber nicht um die Preisträger, denn Juryentscheidungen sind immer zu hinterfragen", so Tiefenthaler. "Für uns ist die Gesamtpräsentation wichtig". (APA)

"Die schönsten Bücher 2003"
8. Dezember bis 28. Jänner
Hauptbücherei am Gürtel
7., Urban-Loritz-Platz 2a

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Typographische Gesellschaft
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