Kosovo: Regierungschef Haradinaj zu Dialog mit Belgrad bereit

8. Dezember 2004, 16:01
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Serbischer Präsidentenberater erwartet baldigen Wechsel an Spitze der Regierung in Pristina

Belgrad/Pristina - Ramush Haradinaj, der neue Regierungschef in der südserbischen Krisenprovinz Kosovo, die seit Juni 1999 von der UNO (UNMIK) verwaltet wird, will sich Gesprächen mit Belgrad nicht verweigern. "Ich bin bereit, in jedem Augenblick, wenn notwendig auch schon morgen, den Dialog mit Belgrad aufzunehmen ... Ich werde nach Belgrad gehen, wann immer ich eingeladen bin und bin bereit, mit allen Belgrader Vertretern zu reden", sagte Haradinaj in einem Gespräch mit der privaten serbischen Presseagentur BETA.

Er habe keine Vorurteile und wisse, was er für den Kosovo tun wolle, meinte der umstrittene Regierungschef, gegen den in Belgrad schwere Vorwürfe wegen Kriegsverbrechen erhoben werden. Gegenüber BETA meinte Haradinaj auch, dass seitens der serbischen Behörden eine "konfuse Politik" im Hinblick auf den Kosovo geführt werde. "Hätten die Serben am Urnengang (vom 23. Oktober) teilgenommen und im Parlament 20 Sitze erhalten, hätten ihre Abgeordneten anders abstimmen können und ich wäre nicht zum Regierungschef gewählt werden", meinte Haradinaj.

Keine Bereitschaft in Belgrad

In Belgrad gibt es andererseits eindeutig keine Bereitschaft, irgendeinen Kontakt zu Haradinaj aufzunehmen. Der Berater des serbischen Präsidenten, Branko Radujko, gab heute, Dienstag, seinen Erwartungen Ausdruck, dass es an der Spitze der Kosovo-Regierung "sehr bald" zum Wechsel kommen wird. Er spielte damit auf eine eventuelle Anklage des UNO-Kriegsverbrechertribunals gegen Haradinaj an.

Der Leiter des Belgrader Kosovo-Koordinierungsausschusses, Nebojsa Covic, meinte andererseits am Montagabend, dass Haradinaj beim Besuch in Belgrad die Umsetzung eines von den serbischen Behörden im September dieses Jahres ausgestellten Haftbefehls zu erwarten habe. Dieser bezieht sich auf Vorwürfe der Ermordung von mehreren nichtalbanischen Hochzeitsgästen nahe der Stadt Djakovica im Westen des Kosovo im Juni 1999. Die Festnahme und die Folterungen durch die UCK-Angehörigen unter dem Kommando von Haradinaj soll nach Angaben der Belgrader Justizbehörden nur die minderjährige Braut überlebt haben.

Covic schließt aber nicht aus, dass Haradinaj womöglich "nur geopfert" wird. "Es ist möglich, dass er festgenommen wird, damit andere Kosovo-Führer verschont werden", präzisierte er. Haradinaj ist bei weitem nicht der einzige frühere Kommandant der albanischen "Befreiungsarmee vom Kosovo" UCK, gegen den in Belgrad Vorwürfe wegen Kriegsverbrechen erhoben werden. (APA)

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