Prodi nennt Aktivisten der Berlusconi-Partei "Söldner"

8. Dezember 2004, 16:01
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Entrüstung in der Regierungskoalition

Rom - Wenige Tage sind seit seiner Rückkehr aus Brüssel verstrichen und schon sorgt der Ex-EU-Kommissionschef Romano Prodi für Aufruhr in Italiens politischer Szene. Der Politiker aus Bologna, der an der Spitze einer oppositionellen Mitte-Links-Allianz an den Parlamentswahlen 2006 teilnehmen will, bezeichnete die Aktivisten der Forza Italia, der Partei des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, als "Söldner".

"Berlusconi setzt Söldner ein, wir antworten mit unseren Freiwilligen, die für das gemeinsame Wohl arbeiten wollen, ohne auf Ämter oder eine Karriere zu hoffen. Söldner haben niemals das Land verteidigt. Um Italien vor Berlusconi zu retten, brauchen wir Tausende von Personen, die uns auch bei der Verfassung eines Regierungsprogramms helfen wollen", meinte Prodi, der nach seinem Comeback auf Italiens politischer Bühne mit der Suche nach glaubwürdigen Kandidaten für die Regionalwahlen begonnen hat.

Goldene politische Karriere

Prodi beschuldigte Berlusconi, Jugendliche aus wohlhabenden Familien für den Wahlkampf einzusetzen und ihnen eine goldene politische Karriere zu versprechen. Berlusconi hatte vergangene Woche bei einer Tagung mit jungen Aktivisten seiner Partei angekündigt, dass sich über 1.000 Jugendliche in Italien für die Forza Italia bei den Regionalwahlen im kommenden Frühjahr einsetzen werden.

Prodis Attacke gegen die "Söldner" der Forza Italia löste Empörung im Mitte-Rechts-Lager aus. "Prodi startet mit verleumderischen Attacken die Wahlkampagne für die Regionalwahlen. Er beleidigt Millionen von Wählern der Forza Italia", sagte Berlusconis Sprecher Paolo Bonaiuti. Er verlangte von Prodi eine sofortige Entschuldigung. "Prodi verteufelt seine Gegner, weil er keine anderen Ideen für die Wahlkampagne hat", betonte der neue Vizepremier Marco Follini.

Der Ex-EU-Kommissionschef zeigte sich wegen des Eklats um seine Worte verwundert. Er weigerte sich jedoch, sich bei der Forza Italia zu entschuldigen. "Ich und Berlusconi haben zwei verschiedene Arten, politisch aktiv zu sein. Die Italiener können entscheiden, welches Modell sie möchten", betonte er.(APA)

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