Wet and Wild

10. Dezember 2004, 12:35
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Dusch-Contests im 'World of Nightlife' sollen die Barumsätze steigern lassen - Diese feuchten Drinks gehören zitroniert

Dass Diskotheken immer neue Wege suchen müssen, um dem allwöchentlichen Saturday Night Fever den Anstrich des immer Neuen und Aufregenden zu geben, weiß man spätestens seit Tischtelefonen, Schaumparties und wie auch immer inszenierten Kuppelshows. Der momentan letzte Schrei sind jedoch die sogenannten Dusch-Contests und die haben sich einen ganzen Korb Zitronen mehr als verdient.

Duschen im Schaufensterlicht Kaum eine Großdisko, die etwas auf sich hält, kommt neuerdings ohne Dusche aus, wobei wir hier nicht von Duschen im Backstagebereich sprechen, in denen sich verschwitzte DeeJanes nach stundenlangen Performances wieder frisch machen können. Nein, wir sprechen von Duschen, die mitten auf der Bühne, vor einer Hundertschaft hungriger und meist männlicher Augen positioniert sind und die das Zentrum einer neuen Art der Massenbelustigung auf niedrigstem Niveau darstellen. In unserem speziellen Fall etwa im ‚World of Nightlife’, der neuen Großraumdisko in Graz, wo das Motto jeden Mittwoch ‚Wet and Wild’ lautet.

Dusch mir was vor Das Procedere sieht folgendermaßen aus: Sowohl weibliche als auch männliche ProbandInnen sind aufgefordert, sich freiwillig zu melden, und auf die Gretchenfrage, ob man denn duschen wolle, mit einem wenig überraschenden ‚Ja’ zu antworten. Man betritt dann die von überall einsehbare Duschkabine und widmet sich der Körperpflege, wobei es in Zeiten der Leistungsgesellschaft damit natürlich nicht getan ist: das Publikum stimmt darüber ab, wessen Duschperformance den Attributen ‚wet and wild’ am ehesten entspricht und an wen die Gewinnsumme von 100 Euro gehen soll. Im Prinzip geht es also um Striptease, lediglich mit dem großen Unterschied, dass in Zeiten, in denen jede und jeder Popstar werden kann, auch jede und jeder dazu aufgerufen ist, sich vor versammelter Mann- bzw. Frauschaft für Geld zu entblättern.

Umsatzsteigerung mit feuchten Hintern Das Bedenkliche an solchen Massenbelustigungen ist nun keineswegs, dass mit weiblichen und männlichen Körpern in der Öffentlichkeit freizügig umgegangen wird. Wenn man so will, war schon Woodstock der Proto-Dusch-Contest. Das Problem liegt eher darin, dass erhöhte Barumsätze und gesteigerte BesucherInnenzahlen an erfahrungsmäßig schwachen Tagen dadurch erzielt werden, dass Menschen für ihre Nacktheit vor den Augen anderer bezahlt werden und dass dies zusätzlich noch in Form eines Wettbewerbs ablaufen muss. Wer weiß, wie viel Lehrlinge durchschnittlich verdienen, weiß auch, wie viel 100 Euro für so jemanden wert sind. Und dass nur, damit anderen ihr Cocktail durch etwas nackte Haut versüßt wird. Das Private wird in die Öffentlichkeit gekauft, was in einer Diskothek, die über ein Eingangssystem verfügt, an dem die Fingerabdrücke der BesucherInnen abgenommen werden, und die jeden Winkel mit Webcams ausleuchtet, die via Internet übertragen werden, durchaus ins Bild passt. Insofern geht diese Zitrone nicht an die ‚World of Nightlife’, sondern an die ‚World of Surveillance’, wo vom Fingerabdruck über das Amüsement bis hin zum nackten Körper alles gläsern gemacht wird.

(e_mu)

07.12.2004
  • Wer sexy duscht, darf 100 Euro einstecken. Wer's nicht kann, darf sich zumindest mit 30 Euro zufrieden geben. Wir gratulieren!
    won
    Wer sexy duscht, darf 100 Euro einstecken. Wer's nicht kann, darf sich zumindest mit 30 Euro zufrieden geben. Wir gratulieren!
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