Khatami schlägt Unmut enttäuschter Studenten entgegen

8. Dezember 2004, 19:49
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"Was ist aus den versprochenen Freiheiten geworden?"

Teheran - Iranische Studenten haben am Montag Präsident Mohammed Khatami fehlenden Mut bei der Umsetzung demokratischer Reformen vorgeworfen. Er habe sich gegen die Ultra-Konservativen, die seine Reformen blockierten, nicht durchsetzen können, lautete der Vorwurf der Studenten. "Khatami, was ist aus den versprochenen Freiheiten geworden?", "Khatami, schäme dich" und "Studenten sind weise, sie hassen Khatami", skandierten sie, als der Staatspräsident an der Universität in Teheran eine Rede anlässlich des weltweiten Studententags halten wollte.

"Bin niemandem etwas schuldig"

Der sichtlich erschütterte Politiker, der seine Wahl insbesondere auch mit den Stimmen der Studenten gewonnen hatte, setzte sich gegen die Vorwürfe zur Wehr. "Meine Amtszeit geht bald zu Ende, aber ich bin niemandem etwas schuldig. Diese nach Macht heischenden Fanatiker, die die Forderungen des Volks ignorieren und Reformen verhindert haben, sind mir etwas schuldig", sagte er mit Blick auf die konservativen Mächte des Landes. Er wies zudem darauf hin, dass in keinem anderen Dritte-Welt-Land Studenten ihren Staatspräsidenten und die Regierung in dieser Form kritisieren könnten.

Khatamis Präsidentschaft geht Mitte des kommenden Jahres zu Ende. Sein Amt hat er insbesondere den Stimmen der zahlreichen Studenten zu verdanken, die ihn auf Grund seiner westlich-geprägten, moderaten Gesinnung gewählt hatten. An der kommenden Wahl wollen viele von ihnen nach eigenen Angaben nicht mehr teilnehmen. "Die Studenten sind sehr enttäuscht. Sie haben für ihre Unterstützung Khatamis einen hohen Preis gezahlt, im Gegenzug aber nichts erhalten", erklärte ein Studentensprecher. (APA/Reuters)

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