Einkaufen mit Verantwortung

17. Dezember 2004, 15:25
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Greenpeace und elf Partner wollen mit einer neuartigen Internetplattform zum verantwortungsvollen Konsum anregen und so sanften Druck auf die Hersteller ausüben

Wien - Im Internet findet sich unter www.marktcheck.at ab sofort "alles, was Sie schon immer über Produkte wissen wollten, die Firmen aber lieber verschweigen oder im Kleingedruckten verstecken": Greenpeace und elf Partner aus den Bereichen Umweltschutz, Tierschutz und Soziales stellen auf der Plattform Informationen zu Produkten zur Verfügung, die von den Österreicherinnen und Österreichern tagtäglich konsumiert werden, aber vielleicht nicht immer deren Wunsch nach "gesund und glücklich" entspricht.

Produktdatenbank

Herzstück der Internetplattform ist eine Produktdatenbank, in der derzeit mehr als 1000 Lebensmittel- und Kosmetikprodukte enthalten sind. Diese werden in Hinblick auf Gentechnik, Risikochemie, Tierschutz, Verpackung, Soziales und Transport bewertet. Eine grüne Kennzeichnung bedeutet dabei "gut", orange und rot stehen für "kritisch" bzw. "ungenügend". Ebenfalls ausgewiesen sind Produkte, die allergene Stoffe enthalten.

Rot beinhaltet dabei auch, dass der Hersteller auf Anfrage von Greenpeace beispielsweise keine Angaben zu etwaigen nichtdeklarierten Inhaltsstoffen auf der Verpackung macht, gentechnisch verändertes Futter an Tiere füttert und auf Tierversuche zurückgreift.

Knapp acht Monate vor dem Start von marktcheck.at gingen hunderte Mails inklusive Fragebogen an die Hersteller mit der Bitte, Angaben zu Inhaltsstoffen, Verpackung, Transport, Gentechnik etc. zu machen. Zeitgleich informierten sich rund 30 Freiwillige über die Produkte in den Supermarktregalen. Hatten die Hersteller nicht auf das erste Mail geantwortet, wurden sie ein zweites Mal angeschrieben und erneut eingeladen, für die Transparenz ihrer Produkte zu sorgen. Bevor alle Informationen jetzt zugänglich gemacht wurden, hatten die Unternehmen erneut Gelegenheit, Stellung zu nehmen. Dieses Vorgehen soll auch für alle weitere Produkte, die in Zukunft in die Datenbank aufgenommen werden, gelten.

"Wir fordern alle Firmen auf, Verantwortung zu übernehmen und Produkte, die in der ökologischen Gesamtwertung rot bewertet sind, zu verbessern", betont Thüllen und nennt Beispiele: "Warum muss die Burgit-Fuß-Deo-Creme einen Risikostoff enthalten, der als der am häufigsten Kontaktdermitis verursachende Konservierungsstoff gilt? Warum werden die Milchkühe für die Schärdinger Sommerbutter mit Gentech-hältigem Futter gefüttert?"

Noch konzentriert sich die Datenbank auf Lebensmittel und Kosmetika, darunter sehr viele Bioprodukte. Nach und nach soll diese aber um konventionelle Produkte erweitert werden. Darüber hinaus bietet die Plattform viele Tipps für gesunde Ernährung und Einkaufen mit Verantwortung. (Karin Tzschentke, Der Standard, Printausgabe, 07.12.2004)

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