"Praktisches Erleben" einer Geiselnahme

12. Dezember 2004, 21:15
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Private und staatliche Überlebenscamps

Wien - Manager, die getarnt durchs Unterholz robben, Generaldirektoren, die "Verteidigung mit Alltagsgegenständen" üben, Politiker, die "Anti-Geisel-Selbstschutz" trainieren - das Geschäft mit der Angst floriert. Private Sicherheitsfirmen, aber auch die Bundesregierung, bieten eine breite Palette von Outdoorseminaren.

Vor allem Großkonzerne schicken Mitarbeiter gern in "Überlebenscamps", wo Willenskraft sowie der Umgang mit Stress und Autorität gelernt werden soll. Wer möglichst realitätsnah das Fürchten lernen will, kann zum Beispiel über die Firma "UDF-System" sogar Fallschirmsprünge bei der polnischen Armee buchen.

Das Österreichische Bundesheer geht mit der Einladung zum zivilen Mitspielen freilich sorgfältiger um. Im Rahmen der Landesverteidigungsakademie erhalten nur "Führungspersönlichkeiten aus den Schlüsselbereichen der österreichischen Gesellschaft", dazu zählen auch alle Parlamentarier, regelmäßig das Angebot für einen "Strategischen Führungslehrgang", kurz StratFüLg.

General Raimund Schittenhelm lädt im Auftrag der Bundesregierung ein, um "aus erster Hand ein aktuelles Lagebild über objektive und subjektive Bedrohungen im 21. Jahrhundert" zu vermitteln. Unter "praktisches Erleben" ist unter anderem eine Geiselnahme vorgesehen. Der StratFüLg beinhaltet auch einen Flug nach Brüssel, eine Einweisung im Nato-Hauptquartier und für den "inneren Frieden" eine "spirituelle Reise mit Musikmeditation". Kurskosten: 7000 Euro. (simo)

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