Heeresskandal weitet sich aus

8. Dezember 2004, 21:37
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Scheinfolterungen auch in Tirol, Pilz kritisiert Jagdkommando

Linz/Innsbruck/Wien - "Das ist erst der Anfang", meinte Montagvormittag der Friedenssprecher der Grünen, Peter Pilz, zu den mutmaßlichen Misshandlungen von Grundwehrdienern in der Tilly-Kaserne in Freistadt (OÖ). Wenige Stunden später wurde er bestätigt: Auch in der Tiroler Pontlatz-Kaserne in Landeck sollen Rekruten im Rahmen eines "Kampftages" misshandelt worden sein.

Dabei sei es zu Fesselungen mittels Kabelbindern und stundenlangem Schlafentzug sowie Scheinfolterungen gekommen. Beteiligt gewesen sein sollen Rekruten der Innsbrucker Standschützenkompanie und Aufklärer der Landecker Pontlatzkaserne. Wie im jüngst aufgedeckten Fall in Oberösterreich, von dem es auch ein Video gibt, soll eine Geiselnahme "geprobt" worden sein. Die Vorgänge sind laut Tiroler Bezirksblätter auf Fotos dokumentiert.

Platter bestätigt Vorwürfe

Verteidigungsminister Günther Platter bestätigte die neuen Vorwürfe und informierte umgehend die Staatsanwaltschaft und die Bundesheer-Beschwerdekommission. Im Freistädter Fall wurde ein beschuldigter Wachtmeister von einem Auslandseinsatz zurückbeordert und in Wien einvernommen. Zu seiner Verantwortung gab es zunächst keine Informationen.

Pilz macht "systematische Gründe" im Bundesheer für die Übergriffe verantwortlich. Er kritisiert konkret das Jagdkommando Wiener Neustadt, bei dem ohne entsprechende Richtlinien und Rahmenbedingungen Ausbildungen für den Kampf gegen Terror durchgeführt würden.

Das Problem sei, dass im Heer "selbst ernannte Terrorismusbekämpfer" auf allen Ebenen unterwegs seien, sagte Pilz. Und hier setze auch die politische Verantwortung ein. Es könne nicht sein, dass man die Terrorismusbekämpfung "irgendwelchen Personen im Bundesheer" überlasse. Zudem sei dieser Bereich grundsätzlich polizeiliche Aufgabe. (Markus Rohrhofer, Michael Simoner, Der Standard, Printausgabe, 07.12.2004)

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