Eine Oper, zwei Hausorchester

13. Dezember 2004, 20:51
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Theater an der Wien: Verträge mit RSO und Symphonikern

Wien - Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SP) sprach am Montag bei der Pressekonferenz der Vereinigten Bühnen Wien von einem "historischen Tag": Die Vision, das Theater an der Wien ab dem Mozartjahr 2006 als Opernhaus zu führen, sei verwirklicht. Mailath bezeichnete die Wiener Symphoniker als das künftige "Hausorchester".

Was nicht ganz stimmt: Intendant Roland Geyer arbeitet im städtischen Opernhaus mit mehreren Klangkörpern zusammen. Das Radio-Symphonieorchester wird an mindestens drei Produktionen jährlich mitwirken - und "damit in gleichem Umfang wie die Symphoniker für das Theater tätig" sein, wie der ORF in einer Aussendung betonte.

Mit den beiden Orchestern wurden bereits - wie auch mit dem Arnold Schoenberg Chor - Kooperationsverträge abgeschlossen. Verpflichten will Geyer, der von einer "Bündelung der Kräfte" spricht, weiters den Concentus Musicus von Nikolaus Harnoncourt und das Klangforum Wien. Jedes Monat soll ein Opernprojekt realisiert werden.

Die drei von den Symphonikern bestrittenen Opern werden Geyer kostengünstig kommen: Das Orchester der Stadt erhält für die Mitwirkung keine Quer- oder zusätzliche Subvention. Zudem soll es keine Rotation geben (wie z. B. in der Staatsoper): Von der ersten Probe bis zur letzten Vorstellung bleiben die Musiker die gleichen, was eine hohe Qualität garantieren soll.

Rudolf Streicher, der Präsident der Symphoniker, beteuerte, dass die Konzerttätigkeit des Orchesters nicht reduziert werde: Das Engagement im Theater an der Wien sei durch eine bessere Auslastung der Musiker möglich. Was bedeutet, dass der mit der Stadt abgeschlossene Leistungsvertrag bisher nicht im vereinbarten Ausmaß erfüllt wurde.

Die Symphoniker werden künftig doch nicht als GmbH geführt, sondern bleiben ein Verein, der demnächst eine neue, klare Organisationsform erhalten soll: Es werde, so Streicher, einen Vorstand mit sechs bis sieben Mitgliedern, einen Chefdirigenten (Fabio Luisi) und einen administrativen Direktor geben. Der bisherige Generalsekretär Rainer Bischof scheidet aus, sein Stellvertreter Peter Sylvester Lehner hat bereits das operative Geschäft übernommen. Er dürfte kommendes Jahr zum Direktor bestellt werden: Eine Ausschreibung des Postens sei nicht notwendig. (trenk/DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.12.2004)

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