Verkehrsbüro: Grünes Licht für Ruefa-Übernahme

19. Dezember 2004, 19:57
posten

Wettbewerbsbehörde: Marktanteil bleibt unter 30 Prozent - Österreichischer Reisebüro-Markt ist 1,8 bis 2,3 Milliarden Euro schwer

Wien - Das österreichische Verkehrsbüro darf wie geplant die Reisebürokette Ruefa Reisen von der BayernLB übernehmen. Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) habe für den Zusammenschluss grünes Licht gegeben, es werde kein weiterer Prüfungsantrag gestellt, sagte Daniela Paparella von der Bundeswettbewerbsbehörde am Montag zur APA. Der Marktanteil der beiden Unternehmen werde auch nach der Übernahme noch unter 30 Prozent liegen.

Außerdem gebe es in der Reisebürobranche noch andere große Marktteilnehmer mit einem entsprechenden Filialnetz, beispielsweise Raiffeisen, Travelstar oder Kuoni, argumentierte Paparella. Auch die Veranstalter hätten eine beträchtliche Marktmacht, mit der sie die Reisebüros beschränken würden. Preiserhöhungen durch den Zusammenschluss des Verkehrsbüros mit Ruefa seien auch nicht absehbar.

Internet gewinnt an Bedeutung

Ein weiterer Grund für das "Grüne Licht" für den Zusammenschluss sei auch die wachsende Bedeutung des Internet als Vertriebskanal gewesen, das für die Reisebüros zunehmend eine Konkurrenz darstelle. Gegen den Zusammenschluss habe sich auch kein einziger Mitbewerber geäußert, vielmehr habe es im Markt Zustimmung zum Deal gegeben, so Paparella.

Probleme bei der Prüfung des Deals hätten der Bundeswettbewerbsbehörde ungesicherte Zahlen über den Reisebüro-Markt in Österreich bereitet. Die Angaben über Gesamtgröße des Marktes hätten zwischen 1 und 2,8 Mrd. Euro geschwankt, berichtete Paparella. Die BWB sei bei ihrer Betrachtung schlussendlich von einem Reisebüro-Markt im Volumen von 1,8 bis 2,3 Mrd. Euro ausgegangen.

Kaufpreis von 20 Millionen Euro

Das Verkehrsbüro zahlt für die knapp 120 Reisebüro-Filialen von Ruefa im In- und Ausland wie berichtet knapp über 20 Mio. Euro. Ruefa zählt zu den führenden Reisebüroketten Österreichs. Ruefa Reisen verfügt in Österreich, Ungarn, der Slowakei, Tschechien und Polen über knapp 120 Standorte (davon rund 90 in Österreich) und beschäftigt 413 Mitarbeiter.

2003/04 soll der Umsatz bei 221 Mio. Euro liegen. Das 1947 gegründete Unternehmen besitzt in Österreich die Mehrheit am Kärntner Reisebüro, an Fox Tours, am Reiseladen und an Intertravel. Das Kürzel Ruefa steht für "Reisen Urlaub Erholung Für Alle".

Das Verkehrsbüro betrieb bereits vor der Ruefa-Übernahme die größte Reisebürokette in Österreich, sieht man von der TUI-Gruppe inklusive Franchisebetriebe ab. Das Verkehrsbüro hat derzeit 121 Reisebüro-Standorte und erwartet in diesem Segment mit 550 Mitarbeitern heuer einen Umsatz von 300 Mio. Euro.

3.500 Mitarbeiter

Der Verkehrsbüro-Konzern setzte im Vorjahr mit 3.500 Mitarbeitern 553,8 Mio. Euro um. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) belief sich auf 11,3 Mio. Euro. In der Verkehrsbüro AG betrug der Umsatz 389,4 Mio. Euro, das EGT lag bei 11,8 Mio. Euro.

Die BayernLB hatte Ruefa vor mehr als drei Jahren von dem damaligen Partner Bawag gekauft und dem Vernehmen nach 40 Mio. Euro bezahlt. Das Institut beabsichtigte damals, mit der Fluggesellschaft Aero Lloyd einen führenden europäischen Tourismuskonzern aufzubauen.

Nach der Pleite von Aero Lloyd ergab die Beteiligung für die BayernLB wenig Sinn. Neben dem Verkehrsbüro hatte sich auch Raiffeisen Reisen für die Ruefa-Übernahme interessiert. (APA)

Share if you care.