Ménage à trois

17. Dezember 2004, 19:20
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Der schwarze Bräutigam hätte die Nase vorne - von Samo Kobenter

Die Zeiten haben sich geändert: Früher hing die Einschätzung, ob die Grünen regierungsfähig sind, davon ab, mit wem in der SPÖ sie es sich gerade wieder verspielt hatten. Dass es nur die SPÖ sein konnte, stand außer Zweifel.

Heute läuft es eher umgekehrt: Dass die Grünen als tauglich angesehen werden, steht so oder so außer Zweifel. Mit wem sie es gerade wären, hängt mittlerweile von der aktuellen Performance ihrer Bewerber ab. Im Augenblick, so werden die professionellen Beobachter dieser eher plumpen Ménage à trois nicht müde zu behaupten, hätte bei Überführung in eine solide Zweierbeziehung eher der schwarze Bräutigam die Nase vorne. Der warnt indes so eindringlich vor einer drohenden rot-grünen Liaison, als hätten er schon seine gesamten Ersparnisse in den Verlobungsring für die grüne Braut investiert.

Bei so viel aufrichtiger Zuneigung ist es nicht verwunderlich, dass sich die gekonnt ziert und beide Kavaliere auf Distanz zu halten versucht. Kaum stellt sich der rote so patschert an, dass ihm niemand mehr eine Chance gibt, lockt sie ihn wieder mit lieblichen Tönen: Im allgemeinen Verprügeln des SP-Parteichefs trat Alexander Van der Bellen für Alfred Gusenbauer ein, als säßen die beiden schon in einer gemeinsamen Regierung. Kurz darauf machte die Maria Vassilakou, Klubchefin der Wiener Grünen, den Stadtroten schöne Augen - und Van der Bellen sah es gerne. Angesichts der sich abzeichnenden absoluten SP- Mehrheit in der Bundeshauptstadt kann das wohl nur unter den Titel "aktive Klimaverbesserung" gebucht werden.

Bis zur tatsächlichen Entscheidung werden die Signale aktueller Zuneigung wohl noch oft an wechselnde Adressen gehen. Das macht die Grünen zwar nicht berechenbarer, sichert ihnen aber doppelte Aufmerksamkeit. Und hält alle Beteiligten jung. (DER STANDARD, Printausgabe, 7.12.2004)

Der schwarze Bräutigam hätte die Nase vorne
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