Hamburg: Proteste gegen geplante Schließung des Frauenhauses

6. Dezember 2004, 16:29
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"Terre des Femmes" und "The Body Shop" rufen die Stadt zum Handeln auf

Tübingen - Gegen die geplante Schließung des ersten Frauenhauses in Hamburg ab Januar 2005 haben nun die Menschenrechtsorganisation "Terre des Femmes" und das englische Kosmetikunternehmen "The Body Shop" protestiert. Beide engagieren sich gemeinsam in einer auf mehrere Jahre angelegten Kampagne gegen Häusliche Gewalt.

"Stell dir vor, du wirst misshandelt und das Frauenhaus hat zu..." Was wie eine Horrorvision für viele von Gewalt bedrohte oder betroffene Frauen klingt, kann nun sehr bald traurige Wirklichkeit werden. Welche katastrophalen Auswirkungen diese vom Hamburger Senat beschlossene Entscheidung haben würde, sei schon jetzt deutlich geworden, betonen "Terre des Femmes" und der "Body Shop" in einer Presseaussendung: "Eine 27-jährige Asylbewerberin wurde vor den Augen ihrer Kinder von ihrem Ehemann erstochen. Das Opfer hatte durch seinen Duldungsstatus kein Anrecht auf eine Unterbringung im Frauenhaus. Nach einem Bescheid der Frauensenatorin Schnieber-Jastram sind die Geduldeten seit 2004 aus den Frauenhäusern der Stadt Hamburg ausgeschlossen. Zwar können sie anonym in einem öffentlichen Flüchtlingsheim untergebracht werden, aber das garantiert ihnen nicht die Sicherheit, die ein Frauenhaus bieten kann."

Konsequenzen und Vorbild

Der Aussendung zufolge werde dadurch jährlich 450 Frauen und Kindern der Ausweg aus Gewaltsituationen versperrt. "Schutz und kompetente Beratung, die ihnen helfen, sich ein Leben jenseits von Bedrohung und Gewalt aufzubauen, sind für Frauen so nur noch schwer erreichbar." Als positives Beispiel wird das Land Schleswig-Holstein angeführt, in dem die Finanzierung von Frauenhäusern und Beratungsstellen gesetzlich verankert und die Landesfinanzierung gesichert sei.

In Hamburg sollen jedoch neben den Zufluchtsplätzen auch die Psychologinnenstellen, der Datenschutz und die maximale Aufenthaltsdauer von einem Jahr wegfallen. "Es ist mehr als wahrscheinlich, dass viele Frauen aufgrund dieser geplanten Streichungen gezwungen werden, in die Gewaltsituation zurückzugehen. Das ist nicht nur ein Rückschritt für Hamburg, sondern auch für die Errungenschaften zum Schutz von Opfern häuslicher Gewalt", heißt es in der Aussendung weiter.

Abschließend werden die Hamburger Frauensenatorin und der Senat aufgefordert, das erste Frauenhaus zu erhalten, Frauen mit Duldungsstatus nicht auszuschließen und weiterhin für ausreichende Schutzräume zu sorgen. (red)

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