Große Unsicherheiten am europäischen Telekommarkt

14. Dezember 2004, 10:07
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Investoren kritisieren fehlende Wachstumsstrategien und Geschäftsmodelle - Alternative Betreiber "Kandidaten für Konsolidierungen"

Auf dem europäischen Telekommarkt machen sich angesichts rascher technologischer Veränderungen, vorhandener Überkapazitäten und unvorhersehbarer regulatorischer Entwicklungen große Unsicherheiten breit. Investoren verlieren zunehmend ihr Vertrauen in die Telekom-Branche und kritisieren fehlende Wachstumsstrategien und Geschäftsmodelle. Zu diesem Schluss kommt der Unternehmensberater Ernst & Young im "European Telecoms Report 2004", bei dem zwischen Juli und September 2004 knapp 50 Telekom-Manager, Investoren und Analysten befragt wurden.

Probleme

Investoren beanstanden laut Ernst & Young vor allem die fehlende Transparenz, wie Gewinne künftig realisiert werden und welche Geschäftsmodelle zur Erzielung von Gewinnen beitragen könnten. 55 Prozent der befragten Investoren und Analysten halten eine neue strategische Ausrichtung der Telekomunternehmen für "erstrangig", während dies für nur 25 Prozent der Betreiberunternehmen ein Thema neben anderen Erfolgsgrößen ist.

Am stärksten betroffen von den Unsicherheiten im Markt sind laut Report alternative Telekombetreiber, die mit massiven Überkapazitäten und ruinösem Preisdruck konfrontiert seien. Alternative Betreiber seien daher auch "die ersten Kandidaten für zukünftige Konsolidierungen". Etablierte Betreiber seien hingegen gezwungen, ihre Kosten zu reduzieren, die Effizienz der Produktion voranzutreiben und Wachstumspotentiale zu erkennen.

Gesättigt

Mobilfunkbetreiber können laut Unternehmensberater noch immer einen "gesunden" Cashflow mit der traditionellen Sprachtelefonie erzielen, sehen sich aber in Europa mit zunehmender Marktsättigung konfrontiert. Nur mit neuen Datendiensten könnten die Wachstumsraten der vergangenen Jahre fortgesetzt werden. Kabelbetreiber hingegen würden nach einer Marktkonsolidierung aktuell von einer "restrukturierten finanziellen Basis" profitieren, künftig seien aber "noch einige grenzenübergreifende Zusammenschlüsse zu erwarten".

Die europäische Telekomindustrie sieht laut Report generell einen Trend zu Anwendungen über das Internet (IP), ohne jedoch ein fundiertes kaufmännisches oder regulatorisches Modell hierfür zu haben. Großes Wachstumspotenzial wird auch bei Breitbanddiensten und Mobilfunkanwendungen geortet.

Wachstum

Fast 50 Prozent der Investoren sehen VoIP (Voice over IP - Telefonie über das Internet) als Wachstumsmotor für die Branche, 35 Prozent setzen auf drahtlose Anwendungen und 30 Prozent auf neue Übertragungstechniken wie die drahtlosen Technologien Wimax und WiFi. Bei den Betreibern hingegen halten 42 Prozent die Breitbandtechnologien für das Thema der Branche, nur 35 Prozent setzen auf VoIP und drahtlose Anwendungen.

Für Telekombetreiber gilt laut Umfrage das Thema Kundenzufriedenheit als wichtigstes Ziel, noch vor der Notwendigkeit, die Gewinne zu erhöhen. Allerdings habe die Mehrzahl der Unternehmen keine klaren Vorstellungen darüber, wie sie in Zukunft Kunden gewinnen und halten könnten, so Ernst&Young. (APA)

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