Sich selbst und andere überwachen

13. Dezember 2004, 11:41
posten

Videoausstellung "life:cut" zeigt 11 Positionen zu beobachteten Räumen

Linz - Der Kulturverein "fiftitu" lädt zur Ausstellung "Life:Cut" - 11 Videoarbeiten zum Thema Überwachung - in der KAPU Linz.

Beiträge

"Intime Öffentlichkeit" von Martina Berger entstand aus ihrem Interesse für subtile unterschwellige Mechanismen von Überwachung. - Nicht durch eines der vielfältigen Angebote der Überwachungsindustrie, sondern durch gegenseitiges Kontrollieren, Bewerten und Taxieren.

"Don't piss down my back and tell me it's raining" von Barbara Doser ist eine Kompilation von verschiedenen Sequenzen (Video- und Videofeedbackaufnahmen bearbeitet am Computer und computeranimierte Einzelbilder). Traumähnliche Bilder fragen: What is to be seen? What is to be observed?

Die Videoarbeit "euro girl: exploding, vanishing" von Anita Fricek greift Motive des fiktiven Terrorismus-/Anarchofilmes auf und versucht Pathos und Pose der Politheldin mit einem fluiden, von Ambiguität getragenen Konzept des Handelns zu ersetzen.

"Crossing Surda" von Emily Jacir wurde mit einer Videokamera versteckt ihrer Tasche aufgenommen und zeigt den täglichen Weg von Ramallah zu ihrer Arbeit an der Bizeit Universität und zurück durch den israelischen Kontrollpunkt. - Eine Echtzeit-Aufnahme von acht Tagen Fussweg, während das Material auf dem Monitor einzelne Momente der Begegnung zwischen PassantInnen und dem Militär verdichtet./

In Miranda July´s Video "The Amateurist" beobachtet eine Expertin "an amateur woman" (beide gespielt von July) via Monitor. Über einen Zeitraum von viereinhalb Jahren hatte sie nie Kontakt, stellte aber eine künstliche Kommunikation und Kontrolle über Zahlen, Knöpfe und eine sorgfältige, vorsichtige Sprache her.

Der Dokumentarfilm "Too soon for sorry" von Katharina Weingartner spürt den Verbindungen zwischen Lebensrealitäten junger Schwarzer und Latinos im US-amerikanischen Gefängnissystem und ihrer Vermarktung in der Medienindustrie nach. Seit 20 Jahren wird Hip Hop höchst erfolgreich als authentische Ausdrucksform des Lebens im "Ghetto" propagiert. Das Kleingedruckte zur Erfolgsgeschichte liest sich weniger glamourös: Ein Drittel aller jungen schwarzen Männer in den USA stehen heute unter der Aufsicht der Justizbehörde.

"Do you know where you are, do you know what you´ve done" von Anita Witek ist eine Videoarbeit, die aus der Perspektive der Überwachungskameras - die niemals mit der des eigenen Blickes übereinstimmt - persönliche Spuren eines Menschen auf seinem Weg durch die Stadt nachzeichnet. Es ist Anita Witeks eigener Weg von zu Hause zum Arbeitsplatz auf dem sie in London 57 verschiedene CCTV-Monitore passiert.

Der Kurzfilm "Laufende Kamera" von MEDEA fragt mittels aktionistischem Theater danach, was passiert, wenn Menschen die Gelegenheit wahr nehmen und für "ZuseherInnen" auf absurde Weise vor Kameras im Stadtraum agieren. Neben Sinnhaftigkeit und Nutzbarkeit der Kamerabilder geht es auch um die Schaulust der WebsurferInnen.

"bildverbot" vom ExpertInnenkollektiv k.u.u.g.e.l. (Innsbruck) ist als visuelles Intro zum aktionistischen Teil des Projektes "re:control" (Projektreihe: siehe link-Angabe) konzipiert. BewohnerInnen der Stadt Innsbruck dokumentierten die Standorte von Überwachungskameras fotografisch und rückten deren Bildproduktion zurück ins eigene Blickfeld, um so den überwachten, beobachteten Raum wieder als öffentlichen anzuzeigen.

Das Video "System 77 Civil Counter Reconnaissance" von Public Netbase dokumentiert den Probeeinsatz des taktischen Gegenüberwachungssystems S77CCR, einer luftgestützten Überwachungstechnologie, welche Drohnen (UAV, unmanned aerial vehicles) zu Aufklärungszwecken in urbanen Räumen einsetzt. Das S77CCR Konsortium begegnet der Überwachungsüberlegenheit staatlicher Sicherheitsdienste mit einer zivilen Technologie, um urbanen Raum für zivilgesellschaftliche Aktivitäten zurückzugewinnen.

"San Precario alla COOP" schließlich ist eine italienisch/spanische Dokumentation, über ArbeiterInnen einer Supermarktkette, die sich mit Hilfe einer imaginären Heiligen gegen Überwachung am Arbeitsplatz wehren. (red)

Link

Fiftitu

Life:Cut
Kapu Linz
Kapuzinerstrasse 36, 4020 Linz

Ausstellungsdauer: bis 21. Dezember 04

  • Videostill aus "euro:girl" von Anita Fricek
    foto: anita fricek /eurogirl
    Videostill aus "euro:girl" von Anita Fricek
Share if you care.