Mallorca erobert den Daviscup

24. Dezember 2004, 15:27
posten

Spanien nach Finalerfolg gegen die USA im Freu­denrausch - US-Stars um Roddick brauchen mehr Sandpraxis - Kritik an den Organisatoren

Madrid/Sevilla - Kronprinz Felipe und seine Frau Letizia sprangen im Stadion von Sevilla von ihren Sitzen auf und jubelten den spanischen Tennis-Cracks zu. Ganz Spanien schien sich nach dem 3:2-Sieg über die USA im Finale des Daviscups in den Armen zu liegen. "Niemand kann uns stoppen, nicht einmal der mörderische Aufschlag eines Andy Roddick", frohlockte das Sportblatt "Marca" am Montag.

Die Spanier feierten nicht nur den Gewinn der ominösen Salatschüssel, sondern auch den Aufstieg ihrer Tennis-Armada zur Weltmacht. Ihr Daviscup-Team erreichte in den vergangenen fünf Jahren drei Mal das Finale und holte zwei Mal den Titel. "Wenn Tennis Fußball wäre, wären wir Brasilien", meinte Ex-Star Manuel Santana.

Immer neue Leute

Das Erstaunliche an der Erfolgsserie ist, dass Spanien den Cup mit verschiedenen Mannschaften gewann: 2000 triumphierten Juan Carlos Ferrero, Albert Costa, Alex Corretja und Juan Balcells; nun waren es Carlos Moya, Rafael Nadal, Ferrero und Tommy Robredo. "Das spanische Tennis bringt mit atemberaubendem Tempo immer neue Talente hervor", lautete die Analyse des Sportblatts "As".

Als eigentlichen Helden feierten die Spanier aber nicht den 18-jährigen Nadal, den jüngsten Daviscup-Sieger überhaupt, sondern den zehn Jahre älteren Moya. Für den Routinier war der Sieg eine besondere Genugtuung: "Von diesem Tag habe ich in den vergangenen Jahren so manche Nacht geträumt." Moya hatte damals 2000 auf dem Höhepunkt seiner Karriere gestanden: Er hatte 1998 die French Open gewonnen und 1999 den ersten Platz der Weltrangliste erklommen. Aber im Daviscup-Finale hatte er dann verletzt passen müssen.

Zerknirschte Miene bei Ferrero

Das Gegenstück zu Moya bildete Ferrero, der Held von 2000. Er war damals als "König Juan Carlos" umjubelt worden. Vier Jahre später wurde er ins Doppel "verbannt" und durfte kein Einzel spielen. Ferrero trug nun nach dem neuen Titelgewinn in all den Jubelszenen eine eher zerknirschte Miene.

Ungetrübte Freude herrschte dagegen auf der Ferieninsel Mallorca, in der Heimat der Tennishelden Moya und Nadal. Für die Lokalpresse in Palma ist nicht Spanien, sondern die Mittelmeer-Insel der eigentliche Gewinner. "Mallorca erobert den Daviscup", titelten die Lokalblätter unisono.

Kritik an den Organisatoren

Kritik gab es in Spanien allein an den Organisatoren. "Dieses Finale hätte einen würdigeren Rahmen verdient gehabt", bemängelte "As" unter Hinweis auf das Chaos beim Einlass der 27.000 Zuschauer. "Auch wäre es besser gewesen, in einer Halle zu spielen, denn im Dezember ist es auch in Sevilla kalt."

Bei den US-Amerikanern forderte indes Daviscup-Coach Patrick McEnroe, dass seine Schützlinge in Zukunft mehr auf Sand spielen müssen. "Damit sie bessere Allround-Spieler werden", betonte der jüngere Bruder von Tennis-Legende John McEnroe. (APA/dpa)

  • Carlos Moya, Vater des spanischen Sieges.

    Carlos Moya, Vater des spanischen Sieges.

Share if you care.