ATX-Unternehmen trotzten der Flaute

22. Dezember 2004, 11:35
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Gewinne und Dividenden verdoppelten sich seit 2001, aber geringere Zuwächse bei Investitionen und Beschäftigten, sagt eine Studie der ÖGPP

Wien - Die Unternehmensgewinne und Dividenden stiegen auch in Österreich in den letzten Jahren trotz Wirtschaftsflaute rasant an, während die Investitionen und Beschäftigtenzahlen stagnierten oder gar zurückgingen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Geschäftsberichte der größten heimischen börsenotierten Unternehmen durch die "Österreichische Gesellschaft für Politikberatung und Politikentwicklung" (ÖGPP).

Die Untersuchung der Geschäftsberichte der 34 größten Unternehmen, die am Prime Market der Wiener Börse notiert sind, habe ergeben, dass die Gewinne dieser Unternehmen nach Steuern von insgesamt 1,51 Mrd. Euro im Jahr 2001 auf 1,98 Mrd. Euro im Jahr 2002 und auf 2,83 Mrd. Euro im Vorjahr und damit um 88 Prozent gestiegen sind. Die Vorsteuergewinne waren mit 1,92 Mrd. Euro (2001), 2,64 Mrd. Euro (2002) und 3,78 Mrd. Euro (2003) noch wesentlich höher.

Gewinne verdoppelt

Die Gewinne dieser Unternehmen haben sich somit trotz Wirtschaftsflaute nahezu verdoppelt. Die Unternehmen mit den höchsten Gewinnen nach Steuern waren 2003 die Erste Bank (537 Millionen Euro), die BA-CA (493 Mio.), die OMV (482 Mio.), der Verbund (217 Mio.) und die Telekom Austria (149 Mio. Euro). Das höchste Gewinnwachstum in absoluten Zahlen verzeichneten in den Jahren 2001 bis 2003 Telekom Austria (plus 254 Mio. Euro), die aus einem Minus in eine Überschusssituation kam, Erste Bank (plus 213 Mio.), AUA (plus 211 Mio. Euro), Generali Holding (plus 178 Mio. Euro), OMV (plus 144 Mio. Euro) und Wienerberger (plus 131 Mio. Euro).

Auch die an die Eigentümer (Aktionäre) der Unternehmen ausgeschütteten Dividenden stiegen in diesen Jahren stark - um 47 Prozent - an: 2001 betrugen sie 493 Millionen Euro, 2002 waren es bereits 504 Millionen Euro und 2003 knapp 726 Millionen Euro. Am großzügigsten waren bei Dividendenzahlungen 2003 die BA-CA (116 Mio. Euro), die OMV (107 Mio.), die Erste Bank (90 Mio.) und die Telekom Austria (65 Mio.).

Investitionen sinken wieder

Demgegenüber zeigten die ausgewiesenen Investitionen keine lineare Entwicklung, im Gegenteil: Für 2001 wurden sie von den 34 Unternehmen des Prime Market mit 7,99 Mrd. Euro angegeben, 2002 stiegen sie auf 11,32 Mrd. Euro, um 2003 wieder deutlich auf nur mehr 7,20 Mrd. Euro zu sinken. Am meisten investierten 2003 die BA-CA (3,08 Mrd. Euro), OMV (1,38 Mrd.), Telekom Austria (599 Mio.), Immofinanz (532 Mio.) und Voestalpine (436 Mio. Euro).

Beschäftigtenzahl stieg langsamer

Wesentlich langsamer als die Gewinne und Dividenden sei auch die Zahl der Beschäftigten in diesen Unternehmen gestiegen, geht aus dem Bericht weiter hervor: die 34 Unternehmen beschäftigten 2001 zusammen 200.790 Arbeitskräfte, 2002 219.668, 2003 223.009 Menschen, was eine Zunahme um insgesamt nur 11 Prozent bedeutet. In jedem vierten dieser Unternehmen war die Beschäftigtenzahl 2003 aber sogar geringer als 2001. Die Betriebe mit den meisten Beschäftigten waren 2003 Erste BAnk (37.650), BA-CA (30.377), Voestalpine (23.216) und VA Tech (17.478).

Umgelegt auf die Zahl der Beschäftigten bedeutet die Entwicklung, dass diese 34 Unternehmen 2001 pro Beschäftigtem einen Gewinn von durchschnittlich knapp 7.500 Euro, 2002 von bereits mehr als 9.000 Euro und 2003 sogar von 12.700 Euro auswiesen. Je Beschäftigtem wurden im Jahr 2001 an die Eigentümer 2.455 Euro an Dividenden ausgeschüttet, 2002 waren es 2.295 Euro und 2003 sogar 3.253 Euro. (red)

Die Ergebnisse der Untersuchung stehen auf der Internet-Seite der ÖGPP zum Download bereit.
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