Die Entwicklungshelferinnen

15. Dezember 2004, 11:12
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Das Wiener Kunst-Consultingunternehmen section.a stiftet heute Beziehungen zwischen Kunst und Wirtschaft

Um zwei Seiten zueinander zu führen, die eigentlich miteinander glücklich sein könnten, braucht es manchmal Vermittler. Das Wiener Kunst-Consultingunternehmen section.a stiftet heute Beziehungen zwischen Kunst und Wirtschaft.

Auf der einen Seite stehen die Künstler, Designer, Architekten und andere junge Kreative mit unbändigem Schaffensdrang und Ideen, die einen weiterdenken lassen. Auf der anderen Seite Unternehmen, auch mit Ideen und dem Willen, von der Kunst zu lernen, eine kulturelle Identität zu schaffen, neue Impulse zu erhalten und dabei vielleicht gleichzeitig einen Beitrag zur Kulturförderung zu leisten.

Erfolgreich sind auf beiden Seiten vor allem jene, die verstanden haben, Synergien und Potenziale für sich zu nutzen - was es dazu braucht, ist jemand, der diese Möglichkeiten aufzeigt, Entwicklungsprozesse und Menschen moderiert und für aufgeschlossene Unternehmer die richtigen Projektpartner auf der Kunstseite findet.

Dazu gibt es vermehrt Consultingunternehmen im Kunst- und Kulturbereich. Eine solche Vermittlerrolle spielt section.a. Tulga Beyerle, Katharina Boesch und Christine Haupt-Stummer gründeten section.a 2001 als Tochtergesellschaft der primetime group, zu der auch die erfolgreiche Werbeschwester section.d gehört.

Ob es nun eine MMS-Schnitzeljagd für den Mobilfunkbetreiber one, für den sie schon den "one smart space" entwickelt haben, ist, die sie sich haben einfallen lassen, oder ihre erfolgreiche und viel beachtete Ausstellungsserie "4Viertel" im Wiener Schauraum der Wittmann Möbelwerkstätten: section.a geht es um eine Zufriedenheit auf beiden Seiten - eine unabhängige Vermittlerposition, wie sie ein Galerist oder Kunstberater meist nicht erfüllen kann.

Von der Kunst lässt sich in den überwiegenden Fällen nicht verschwenderisch leben, ein Kunstvermittlungsunternehmen ist daher umso mehr gefordert, eine Bandbreite an Kompetenzen und Produkten abzudecken. Bei section.a gelingt das einerseits durch die Ausbildung der Managingpartnerinnen, einer Kunsthistorikerin, einer Designtheoretikerin und einer Kulturmanagerin, die gemeinsam über kuratorische und unternehmerische Erfahrung verfügen und über ein großes Maß an Kommunikationsarbeit.

Auch die Zusammenarbeit mit der Werbeschwester section.d bringt etwa im Bereich Publikationen und Grafik Vorteile. Gemeinsam wurde man für das Kundenmagazin für Xenon, einen österreichischen Leuchtenhersteller, bei "Best of Corporate Publishing" 2004 mit der Goldmedaille für den Bereich Business to Business gekürt. Die Konzeption innovativer Arbeitsmethoden, die Erarbeitung eines Masterplans oder Kommunikationskonzepts oder die Betreuung einer Produktentwicklung ist besonders betreuungsintensiv und erfordert neben Erfahrung, Kontakten und der richtigen Plattform aber vor allem auch einen Auftraggeber auf Unternehmerseite.

Denn neben einem Budget sind eine gewisse Leidenschaft für Kunst und etwas langer Atem schon erforderlich, um sich auf ein solches Projekt einzulassen. Gelungen ist für Beyerle, Boesch und Haupt-Stummer ein Projekt folglich dann, wenn Kunst greifbar gemacht wurde in einem Unternehmen, wenn dann etwa die Belegschaft eines Herstellers aus Niederösterreich mit dem Kleinbus zur Ausstellungseröffnung anreist, weil eine Woche Werkstattarbeit mit dem Künstler die Lust nach Auseinandersetzung mit seiner Arbeit geweckt hat.

Die Zeit von "Geld gegen Logoplacement" ist vorbei, auch sieht es section.a nicht als Ziel, Sponsoringaktivitäten zu vermitteln, sondern es geht um Kooperation. Langfristige Zusammenarbeit fruchtet in ihren Augen besonders, auch für das Consultingunternehmen, dessen erstes Projekt nach eigenen Angaben eher ruinös war, während man mittlerweile sehr erfolgreich wirtschaftet.

Weiterhin gegen den Mainstream zu arbeiten und das in schönen Projekten mit kreativen Partnern, die für ihren Einsatz auch angemessen entlohnt werden, ist Ziel und Triebfeder der drei Unternehmerinnen. Ihre Erfolge bestätigen, dass sie auf dem richtigen Weg sind - den weiterzugehen, dazu gehört auch ein hohes Maß an Idealismus, an dem es den drei Unternehmerinnen nicht mangelt. Entwicklungshelferinnen eben.(Der Standard, Printausgabe 4./5.12.2004)

Von Lilli Hollein
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