Hochverrat bei den Weltcupausrüstern?

8. Februar 2005, 16:13
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Über Atomic, den Ski-Zirkus und die Problematik der Kategorie "nationales Interesse" - Ein Kommentar von Caspar Einem

Wenn nicht diesen Sonntag der Umschwung gekommen wäre, dann hätte sich die Debatte vielleicht noch zugespitzt. Da ist doch Atomic wirklich bereit, Bode Miller unter Vertrag zu nehmen und ihm die weltbesten Abfahrts- und Super-G-Schi zu geben und dann besiegt der in einem fort unsere österreichischen Favoriten! Natürlich Favoriten. Waren nicht Hermann Maier & Co die Dominatoren in diesen Rennen?

Hochverrat!

Immerhin war das der Bereich, in dem Österreich die USA geschlagen hat und weiter hätte schlagen können. Überlegenes Material mit überlegenen Österreichern drauf. Und nun das. Nicht nur, dass George W. Bush wieder gewinnt, nein: nun gewinnen die Amerikaner auch noch in "unseren" Bewerben. Und das mit österreichischem Material. Wie anders soll man das nennen, als Hochverrat, wenn dem Gegner in einer Frage des nationalen Interesses die besten Waffen in die Hand gegeben werden?

So oder so ähnlich dachten viele in den letzten Tagen – bis nun endlich sowohl bei den Damen, als auch bei den Herren Atomic-Fahrer für österreichische Siege gesorgt und dadurch eine allzu deutliche nationale Aufwallung erübrigt haben.

Nationale Interessen

Freilich ließe sich auch noch eine andere Emotion aufkochen. Ist es denn ein Wunder, wenn Atomic...? Immerhin ist heute ein finnischer Konzern Eigentümer dieser Marke. Vorbei die Zeit des guten alten Autokraten Alois Rohrmoser. Der hätte das sicher nicht zugelassen. Vielleicht wäre er allerdings mit so einer – hier lediglich unterstellten – Strategie auch pleite gegangen. Denn für Atomics Verkauf zählen Millers Siege mehr, als die der unsrigen Dirndln und Burschen. Es gibt einfach mehr Amerikaner als Österreicher. Pech. Oder vielleicht doch ein Glück – fürs Geschäft?

P. S.: In den letzten Jahren ist, etwa im EU-Kontext, immer wieder davon die Rede, dass es um nationale Interessen gehe. In den meisten Fällen bleibt dunkel, warum es sich dabei um "nationale" Interessen handeln sollte, mögen im Einzelfall auch Interessen von Österreichern dahinter stehen. Bei einem "echten" nationalen Interesse sollte das aber zumindest eine Mehrheit sein. Das ist der Grund, dass ich dabei oft an Sport denken muss. Und auch da zeigt sich die Problematik der Kategorie "nationales Interesse".

"Fremde Feder" ist eine Kolumne auf derStandard.at für KommentatorInnen von außen. Caspar Einem, ehemaliger Wissenschafts-, Verkehrs- und Innenminister, ist derzeit Europasprecher der SPÖ und Vorsitzender des Bundes sozialdemokratischer AkademikerInnen (BSA).
  • Bode Miller mit seinen Atomic-Skiern.
    foto: epa

    Bode Miller mit seinen Atomic-Skiern.

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