Klagen der Musikindustrie bringen den Musikern nichts

29. Dezember 2004, 11:10
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Künstler sehen in File-Sharing keine Bedrohung - Unzufriedenheit mit Allmacht der Labels

Künstler und insbesondere Musiker in den USA sehen im File-Sharing keine Bedrohung für ihre Arbeit. Wie aus einer aktuellen Studie des Pew Internet & American Life Project hervorgeht, sehen US-Künstler "vom Superstar bis zum hungernden Sänger" das Internet als Instrument, das die Art wie sie ihre Arbeit machen, vermarkten und verkaufen verbessert. Zwei Drittel der befragten Künstler und Musiker sehen in File-Sharing eine geringe oder gar keine Bedrohung. 60 Prozent sind der Meinung, dass die Maßnahmen der Musikindustrie gegen illegales File-Sharing ihnen nichts bringen.

Falsche Zustände

64 Prozent aller Befragten meinen, dass der Künstler selbst die volle Kontrolle über die Nutzung seiner Arbeit haben sollte. Die Hälfte der Künstler ist aber überzeugt, dass das derzeit nicht so ist. Die geltenden Copyright-Gesetze bevorzugen demnach den Verleger der Kunst, also im Falle der Musikindustrie die Labels, vor dem Schöpfer der Kunst. Nur 28 Prozent aller Künstler sehen in File-Sharing eine Bedrohung ihrer Arbeit.

Dennoch ist über die Hälfte aller Künstler (52 Prozent) der Meinung, unautorisierter Tausch von urheberrechtlich geschützter Musik oder Filmen im Internet sollte illegal sein. Bei Künstlern, die von ihrer Kunst leben (Paid Artist), ist diese Sichtweise noch stärker ausgeprägt (55 Prozent). Aber immerhin 37 Prozent aller Künstler (35 Prozent der Paid Artist) sagen, der Online-Tausch unautorisierter Kopien sollte legal sein. Zwei Drittel sehen in den Betreibern von P2P-Netzen die Hauptverantwortlichen für den illegalen Tausch von Musik und Filmen im Internet. Nur 15 Prozent sind der Meinung, dass es richtig ist einzelne User zu klagen wie das die Musikindustrie tut. 15 Prozent meinen sowohl P2P-Unternehmen als auch User seien verantwortlich. Eine klare Mehrheit von 60 Prozent sieht jedoch in den Maßnahmen der Musikindustrie keine Vorteile für sich.

Geteilte Meinung

Beim Fair Use von digitalem Material sind die US-Künstler gespalten. Weit gehender Konsens herrscht laut Pew-Studie bei der Frage der Privatkopie: Kopien zum privaten Gebrauch sollten aus Sicht der Künstler erlaubt sein. Beim Kopieren für Freunde scheiden sich die Geister jedoch: 46 Prozent aller Künstler meinen, dass das Brennen einer CD oder einer DVD für einen Freund legal sein sollte, 48 Prozent sind vom Gegenteil überzeugt. Bei den Musikern sind sogar 47 Prozent der Meinung, das Brennen für einen Freund sollte erlaubt sein. 41 Prozent sagen, es sollte verboten werden.

Basis

Die Studie beruht auf drei Umfragen: Einer repräsentativen Telefon-Befragung von 809 Erwachsenen, die sich selbst als Künstler bezeichnen. Einer nicht auf Zufallsauswahl beruhenden Befragung von 2.755 Musikern, Komponisten und Musikverlegern, die nicht repräsentativ für die US-Population der Musiker ist. Drittens wurden 2.013 über 18-jährige US-Amerikaner zu Copyright und File-Sharing befragt. Laut Pew Internet & American Life Project geht aus der Studie hervor, dass es in den USA 32 Mio. Menschen gibt, die sich selbst als Künstler bezeichnen. Zehn Mio. US-Amerikaner verdienen mit ihrer Kunst zumindest einen Teil ihres Lebensunterhalts. (pte)

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