Austria: Wenn die Logik sieben Worte hat

7. Dezember 2004, 13:01
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Die Wiener Austria siegt und hat weiterhin das Monopol auf Unruhe und Unzufriedenheit

Wien - "Na ja, elf gegen zehn", sagte Frank Stronach nach dem ungefährdeten 3:1 seiner strapazierten Austria gegen die harmlosen Salzburger und schickte dieser exakten Bestandsaufnahme aus seiner warmen Loge ein mürrisches "Ganz gut gespielt" nach.

Er schuf also sieben Worte, die, jedes für sich betrachtet, sehr banal klingen mögen (von "na ja" bis einschließlich "gespielt") und trotzdem keinen eindeutigen Sinn ergeben. Was wiederum bei Stronach ein gewisse Logik hat. Dem mindestens so aufmerksamen wie überglücklichen Zuhörer wird danach die Möglichkeit gegeben, munter draufloszuinterpretieren. So lange (etwa drei Sekunden), bis er zum typisch austrianischen Schluss kommt: Da ist etwas im Busch. "Ganz gut" erinnert frappant an "ganz nett", und ein "ganz netter Mensch" ist zum Beispiel ein ziemlicher Trottel. "Na ja", so der halbakademische Stronach-Forscher, bedeutet eher "Nein" als "Ja", sonst würde es "Ja na" heißen.

Die Kritiker kommen

Die Verpflichtung von Frenkie Schinkels als Scout und der offenkundige Wille, Toni Polster heimzuholen, können noch nicht alles gewesen sein. Das wäre schwach, zumal Magna berühmt dafür ist, Arbeitsplätze zu schaffen. Wobei ein Engagement von Michael Konsel, Rapids Ex-Rapid-Goalie, vorerst auszuschließen ist, obwohl der im Fernsehen als Chefanalytiker gesagt hat, die Austria spiele "in der Liga meistens schlecht". Schinkels hatte sich ähnlich ausgedrückt, flugs war er Scout.

Sportmanager Günter Kronsteiner überrascht längst nichts mehr. Er hat es mittlerweile zu einer gewissen Größe, fast Unabhängigkeit, gebracht. "Frank hat Recht, Salzburg spielte ab der 42. Minute tatsächlich mit zehn Mann." Im Horr-Stadion wurden erstmals "Günter"- und "Lars"-Sprechchöre angestimmt. Mit Lars ist Spartentrainer Söndergaard gemeint, der lebt mit einer Berufsbezeichnung, auf die die Austria ein Monopol hat. Kronsteiner war jedenfalls gerührt. "Mir ist ein Schauer den Rücken runtergelaufen. Ich bin ja keiner, der Sprüche wie 'Ich habe ein violettes Herz' klopft. Die Fans anerkennen unsere Erfolge, sind mit unseren Leistungen zufrieden. Das zählt für mich nach all den Prügeln."

"Rassismusdebatte"

Es war im Prinzip ein normaler Samstagabend. Wäre nicht die 42. Minute gewesen, in der der Honduraner Maynor Suazo ausgeschlossen wurde und die zum Stronach-Zitat "na ja, elf gegen zehn" führte. Und später ausuferte, weil Salzburgs Trainer Peter Assion eine "Rassismusdebatte" anzettele. Suazo hatte sich an Vastic revanchiert, Schiedsrichter Wolfgang Falb zückte die gelbe Karte. Der Verwarnte keppelte weiter, ging auf Ernst Dospel zu, wühlte mit dem Finger in dessen Gesicht. Falb schloss ihn aus. Suazo soll sich dann bei Assion "über Rassismus" beklagt haben.

Dospel, damit konfrontiert, sprach von einer glatten Unterstellung: "Ich habe nur gesagt, was man in so einem Fall sagt. Schleich dich." Assion: "Verstehen Sie, ich will niemandem Rassismus vorwerfen." Dafür konnte Stronach nun wirklich nichts. (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 6. Dezember 2004, Christian Hackl)

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