Gute Zeiten für Inflationsschutz

24. Mai 2005, 18:00
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Getrieben auch von den hohen Rohstoffpreisen, erleben Anleihen mit Inflationsschutz derzeit einen Boom auf Emittenten- und Investorenseite

Wien - Für institutionelle Anleger wie Versicherungen oder Pensionskassen, deren Verpflichtungen mit der Inflation steigen, entwickeln sich inflationsgeschützte Anleihen zu Lieblingsprodukten.

Denn sie nehmen das Risiko steigender Geldentwertung aus ihrer Veranlagung und sichern so den realen Ertrag über die gesamte Laufzeit. Ein Ersatz für Festgeld oder Geldmarktfonds sind sie allerdings nicht. Wenn die Realzinsen deutlich steigen, dann schützen sie nicht vor Verlusten.

Im Gegensatz zu einer klassischen Staatsanleihe mit angenommen vier Prozent Kupon und einem Nominale von 100 bieten inflationsgeschützte Anleihen ("inflation linked bonds" oder einfach "Linker") bei einem Nominale von 100 einen niedrigeren Kupon. Dafür wird das Nominale während der Laufzeit aber an die Inflationsentwicklung angepasst, wandert also mit.

Der Kupon wird jeweils auf das erhöhte Nominale bezahlt. Am Laufzeitende erfolgt die Tilgung also nicht zu 100, sondern etwa zu 120. Damit haben Investoren zwar eine niedrigere laufende Verzinsung, aber eine Abgeltung der Geldentwertung.

Geringere Performance

So erklärt sich auch die teilweise geringere Performance der Linker-Fonds im Vergleich zu ihren klassischen Kollegen.

Ein optimales Umfeld für inflationsgeschützte Anleihen ergibt sich dann, wenn die realen Renditen fallen und die Inflation (derzeit um die zwei Prozent) noch weiter ansteigt. Das passiert typischerweise in einem Stagflationsszenario (also Stagnation der Wirtschaft plus Inflation).

Führende Banken und Pensionsfonds, sagt Markus Dürnberger, Produktverantwortlicher bei der Spängler KAG für das "BondPortfolio Inflation Protect", das von der ältesten US-Privatbank Brown Brothers Harriman & Co. gemanagt wird, verstärken derzeit diese Anlagen.

Er sieht den Markt auf beiden Seiten stark wachsen: Die USA hatten 2003 noch rund 25 Mrd. Dollar an so genannten TIPS (Treasury Inflation Protected Securities) emittiert, 2005 werden 85 Mrd. Dollar erwartet. Laut einer Prognose von Barclays Capital sollen TIPS 2009 rund 12,5 Prozent des US-Staatsanleihenvolumens ausmachen.

"Kaufkraftsicherung"

Europa hat Ende der 90er-Jahre mit solchen Emissionen begonnen, Österreich ist 2003 in dieses Produkt eingestiegen, Deutschland plant solche Emissionen erstmals 2005.

Mit dem Argument der "Kaufkraftsicherung des eingesetzten Kapitals" offeriert Vorstandssprecher Heinrich Spängler das neue Produkt jetzt auch Privatkunden.

Die Erste Sparinvest sieht ihre zwei neuen Produkte (Espa Bond Euro Real und Espa Bond USA Real) als Baustein diversifizierter Anleihenportfolios von Privaten. Ansparvarianten werden auch angeboten. (Karin Bauer, DER STANDARD Printausgabe, 06.12.2004)

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