8. Dezember ist für Handel unverzichtbar

6. Dezember 2004, 19:21
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Ein Viertel der Österreicher werden Marienfeiertag zum Geschenkkauf nützen - Schönborn bei Kindersegnung in der Lugner City

Wien - Am kommenden Mittwoch, dem 8. Dezember, werden die Kassen in Österreichs Geschäften wieder kräftig klingeln. Obwohl eigentlich ein Marienfeiertag (Mariä Empfängnis) dürfen seit mittlerweile 9 Jahren die Geschäfte von 10 bis 18 Uhr aufsperren.

Rund 70 Prozent der Läden - vor allem filialisierte Unternehmen in typischen Weihnachtsgeschenkbranchen - machen von dieser Möglichkeit auch Gebrauch. Der 8. Dezember sei ein enorm wichtiger Tag in einer ganz sensiblen Zeit, auf den der Handel nicht mehr verzichten könne und wolle, betont der Obmann der Sparte Handel, Erich Lemler.

Ein Drittel der Österreicher auf Shoppingtour

Händler, Mitarbeiter und Kunden haben sich an die offenen Geschäfte am Feiertag offenbar gewöhnt. Rund ein Fünftel der Österreicher hat bereits Ende Oktober in einer Umfrage der KMU Forschung Austria angekündigt, den Marienfeiertag für Weihnachtseinkäufe nützen zu wollen. Inklusive der "Spontankäufer" wird voraussichtlich ein Viertel - vielleicht sogar ein Drittel - der Bevölkerung auf Shoppingtour gehen, erwartet der Handelsexperte der KMU Forschung, Peter Voithofer. Besonders viele Feiertags-Einkäufer gibt es offenbar in Wien (26 Prozent) und unter den Jüngeren. 55 Prozent der Befragten an, "sicher nicht" einkaufen gehen zu wollen.

Umsatzmäßig hat sich der Marienfeiertag für den heimischen Handel zu einer Art "fünften Weihnachtseinkaufssamstag" entwickelt. Vor allem in Jahren, an denen der Feiertag - so wie dieses Jahr - auf die Wochenmitte fällt und daher für ein verlängertes Wochenende weniger geeignet ist, entsprachen die Umsätze einem vollwertigen Adventsamstag, so Voithofer.

Auch in den anderen Fällen lagen die Umsätze jedenfalls deutlich über denen eines "normalen" Wochentags. "Nachdem der Tag heuer günstig fällt, erwarten wir, dass er gut wird", so Lemler.

Öffnung seit 1995 erlaubt

Seit 1995 dürfen die Geschäfte am Marienfeiertag - sofern er auf einen Wochentag fällt - zwischen 10 und 18 Uhr aufsperren. Die Kollektivvertragspartner haben sich damals auf folgende Regelung geeinigt: Die Mitarbeiter dürfen an diesem Tag die Arbeit ohne Angaben von Gründen verweigern.

Der Arbeitgeber muss ihnen bis 10. November mitteilen, ob er sie braucht, der oder die Betroffene muss innerhalb einer Woche zu- oder absagen. Für die Arbeit gibt es Freizeitausgleich. Durch den Start erst um 10 Uhr soll Mitarbeitern außerdem die Möglichkeit geboten werden, in die Messe zu gehen.

Die Proteste gegen das Offenhalten der Geschäfte flammen nur noch sehr spärlich auf. Die Katholische Aktion (KA) der Erzdiözese Wien und zahlreiche Pfarren in Wien und Niederösterreich laden heuer am Marienfeiertag zum "Verschnaufen vom Kaufen" in die Kirchen ein.

"8.12. statt 08/15"

Unter dem Motto "8.12. statt 08/15" werden neben den Gottesdiensten Adventkonzerte, Lesungen und Seniorennachmittage veranstaltet. Gleichzeitig wird sich Kardinal Christoph Schönborn aber auch selbst in einen Shoppingtempel begeben: Am frühen Nachmittag wird Österreichs Oberhirte dort Kinder segnen.

Hauptargument des Handels für das Aufsperren der Geschäfte, war ursprünglich, dass damit Kaufkraftabfluss ins Ausland verhindert werde, wo mehrheitlich kein Feiertag ist. In Italien ist der Marienfeiertag arbeitsfrei, die Geschäfte haben ähnlich wie in Österreich offen. (APA)

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