Israel und Ägypten reparieren ihre Beziehungen

7. Dezember 2004, 14:31
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Mit einem Häftlingsaustausch bekräftigten Kairo und Jerusalem die Verbesserung des lange gestörten Verhältnisses

Eine von israelischen Beobachtern registrierte "dramatischen Wende in den Beziehungen zwischen Israel und Ägypten" erreichte gestern einen vorläufigen Höhepunkt in einem Häftlingsaustausch, bei dem ein wegen Spionage verurteilter israelischer Geschäftsmann und sechs unter Terrorverdacht festgenommene ägyptische Studenten freikamen.

Die wechselseitigen Gesten folgen auf das Lob für Israels Premier Ariel Sharon, mit dem Ägyptens Präsident Hosni Mubarak am Wochenende Aufsehen erregt hatte: "Er ist imstande, den Weg des Friedens zu gehen", sagte Mubarak, und wenn es den Palästinensern "nicht gelingt, in der Amtszeit dieses Ministerpräsidenten einen Fortschritt zu erreichen", werde es schwer sein voranzukommen. In Jerusalem schätzt man, dass nun die diplomatischen Beziehungen gleich nach den palästinensischen Wahlen im Jänner wieder normalisiert werden.

Nach dem Beginn des Palästinenseraufstands hatte Ägypten im November 2000 seinen Botschafter abgezogen. Bei den Reform- und Verhandlungsprozessen, die sich nach dem Tod von Palästinenserchef Yassir Arafat anbahnen, wollen die Ägypter offenbar eine tragende Rolle spielen. Nach acht Jahren in ägyptischer Haft passierte gestern Mittag Azzam Azzam, ein drusischer Israeli, in einem weißen Personenwagen die Grenze bei Taba auf der Sinai-Halbinsel. Azzam, der in Kairo eine ägyptisch-israelische Textilfabrik leitete, war 1996 verhaftet und später zu 15 Jahren Haft verurteilt worden.

Er selbst und israelische Politiker beteuerten immer wieder, dass er nie ein Spion gewesen sei, doch alle Interventionen von israelischer und von dritter Seite blieben fruchtlos. Die sechs jungen Ägypter, die Israel nun im Tausch für Azzam freigab, waren im letzten August aufgegriffen worden, als sie die Grenze illegal überschritten. Nach israelischen Angaben waren sie bewaffnet und planten einen Terroranschlag oder die Entführung eines Soldaten, die Angehörigen der Burschen sagten aber, sie hätten in Israel nur Arbeit finden wollen.

Der Stimmungsumschwung in der Region drückt sich auch in dem "historischen" Besuch aus, den der neue PLO-Chef Mahmud Abbas heute in Damaskus antreten soll. Mehr noch als dem syrischen Präsidenten Bashar al-Assad gilt der Besuch der Hamas-Führung - Abbas braucht ihren Segen für einen Waffenstillstand, zu dem Hamas-Funktionäre in Gaza Bereitschaft signalisiert haben. (DER STANDARD, Printausgabe, 06. 12. 2004)

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    Der acht Jahre lang in Ägypten als Spion inhaftierte israelische Druse Azzam Azzam wurde Sonntag- mittag an der Grenze in Taba den Israelis übergeben.

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