Für Jones und Montgomery wird es eng

8. Dezember 2004, 16:45
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Leichtathletik: IAAF begrüßt Auspacken von BALCO-Chef Conte, der detailliert über Dopingpraxis der US-Stars plauderte

Helsinki/Los Angeles - Der Leichtathletik-Weltverband IAAF hat positiv auf das Doping-Geständnis von BALCO-Laborchef Victor Conte inklusive der neuen Beschuldigungen gegen Marion Jones reagiert und drängt auf eine schnelle Untersuchung aller offenen Fälle. "Die IAAF begrüßt jede Person, die mit Informationen über Dopingvergehen von Athleten und beteiligten Personen aus ihrem Umfeld an die Öffentlichkeit geht", erklärte IAAF-Sprecher Nick Davies am Wochenende bei der Council-Tagung in Helsinki.

Der Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), Richard Pound, forderte nach einem Bericht des britischen "Observer" vom Sonntag, der US-Sprinterin und -Weitspringerin alle Medaillen abzuerkennen, falls sich die Vorwürfe als wahr erweisen sollten. Conte hatte in einem Interview mit dem amerikanischen "ABC News Magazin" behauptet, dass die dreifache Olympiasiegerin von Sydney bereits vor den Sommerspielen 2000 gedopt habe. Nach seinen Angaben soll es sich um das Blutdopingmittel EPO, Wachstumshormone und THG gehandelt haben.

Jones weist Vorwürfe weiter zurück

Die Amerikanerin muss sich seit der Enthüllung des Skandals um das im BALCO-Labor entwickelte Designersteroid THG gegen Doping-Vorwürfe zur Wehr setzen. Bisher hat sie allerdings jede Schuld von sich gewiesen und nur zugegeben, erlaubte Nahrungsergänzungsmittel von BALCO bezogen zu haben. Zu den Anschuldigungen von Conte erklärte sie laut "Observer": "Ich habe meine Rechtsanwälte angewiesen, energisch eine Verleumdungsklage gegen Victor Conte voran zu treiben."

Marion Jones ist nie positiv auf Doping getestet worden. Dies sei in den 13 Monaten, in denen sie mit dem BALCO-Gründer zusammengearbeitet habe, auch nicht möglich gewesen, da es für das, was Conte ihr gab, kein Testverfahren gegeben habe. "Ich habe mit ihr gearbeitet, und sie hat alle Doping-Tests passiert, inklusive die bei den Olympischen Spielen in Sydney", sagte Conte.

Montgomery muss vor den Sportgerichtshof

Wie Davies mitteilte, müssen sich bereits Mitte Dezember die US-Sprinter Tim Montgomery und Chryste Gaines vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) verantworten. Beide sollen in die dubiosen Doping-Machenschaften von BALCO und Conte verwickelt sein. Ursprünglich waren die Anhörungen erst für Sommer 2005 anberaumt.

Conte hat auch Montgomery schwer belastet, so meinte er in einem ABC-Interview, dass dieser bei seinem 100-m-Weltrekord am 14. September 2002 in Paris (9,78 Sekunden) gedopt gewesen sei. "Er (Montgomery, Anm.) sagte mir, dass er bereit wäre zu sterben, um Gold zu holen", erklärte Conte, der dem Lebensgefährten von Jones mit einer auf das Trainingsprogramm speziell abgestimmten "Dopingkur" dabei geholfen habe, das gemeinsame Traumziel vom Weltrekord zu realisieren. (APA/dpa)

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